Toolmanagement in der Praxis 2019

So viel geredet, und wer fängt an? Toolmanagement einfach machen oder machen lassen!

Termin:
30. Januar 2019

Ort:
MARITIM Hotel, Ulm

Veranstalter:
CIM Aachen GmbH

Preis:
420€ zzgl. MwSt.

Nachbericht zum Seminar „Toolmanagement einfach machen oder machen lassen?

Unter dem Motto „Toolmanagement – Einfach machen oder machen lassen?“ empfing die CIM Aachen rund 60 Fach- und Führungskräfte zur jährlichen Seminarreihe. Dr. Götz Marczinski eröffnete die Veranstaltung, die auch in diesem Jahr im Ulmer Maritim-Hotel stattfand, mit der Frage „So viel geredet, und wer fängt an?“ Er fasste zunächst die wichtigsten Punkte für erfolgreiches Toolmanagement zusammen: „Toolmanagement heißt, die Hauptzeit zum Engpass zu machen, um dadurch neue Technologien wirksam einsetzen zu können,“ so die generelle Zielformulierung. Die Probleme für eine erfolgreiche Umsetzung seien dabei meist menschliche. Scheu vor der Dimension der Aufgabe, zu geringe Ressourcen bei unrealistischen Zeitplänen oder die Illusion, dass Toolmanagement bereits umgesetzt sei, sind nur einige Beispiele für die vielfältigen Schwierigkeiten. Außerdem müsse die Formel L·V·W > 0 erfüllt sein. „Ein gewisser Leidensdruck muss vorhanden sein. Es muss die Vision eines erstrebenswerten Ziels geben und das Wissen über die ersten Schritte vorhanden sein“, so Dr. Marczinski. Tatsächlich gibt es viele Beispiele für erfolgreich umgesetzte Toolmanagement Projekte, von denen einige im Verlauf des Tages vorgestellt werden sollten. „Wer nicht anfängt, wird nie fertig!“ so der eindringliche Eröffnungsappell.

Traditionell wurde die Veranstaltung von Lösungsanbietern flankiert, die sich und ihre Produkte in Kurzvorträgen vorstellten. Boris Kaiser (CIMSOURCE, ToolPal), Bernd Schwennig (E. ZOLLER, Zoller TMS), Jan Heger (Hexagon, NCSimul), Georg von Vietinghoff (DSC, FactoryControl Center (SAP)), Milos Blagojevic (EXAPT, Exapt BMO) und Ulrich Alt (West, TopSolid) erläuterten die Lösungsansätze im Kontext des Tool- und Datenmanagements. Bei der herrschenden Systemvielfalt sind Überschneidungen von Kompetenzen keine Seltenheit, doch seien sich alle Anbieter der notwendigen Offenheit gegenüber Schnittstellen zu anderen Systemen durchaus bewusst. Unternehmensübergreifende Zusammenarbeit statt Konkurrenz, so der allgemeine Konsens, seien die Grundvoraussetzung, um am Markt bestehen zu können.

Die Reihe der Praxisvorträge wurde von Michael Trebing, SIM Automation GmbH, eröffnet. Er erläuterte die Herausforderungen und Erfolge bei der Einführung eines Toolmanagement-Systems in der hochdynamischen Einzelfertigung. „Wir setzen unsere Auszubildenden direkt in der ersten Woche an das System“ so Herr Trebing. Fehler von diesen seien durch die vereinfachte Menüführung des Zoller-TMS und Rechtebeschränkungen kaum möglich.


A. Simsek, NEAPCO Europe GmbH, erklärt die Vorteile des cloudbasierten Toolmanagementsystems ToolPal der CIMSOURCE GmbH

Ahmet Simsek, NEAPCO Europe GmbH, zeigte, welche Vorzüge das cloudbasierte Toolmanagement-System ToolPal der CIMSOURCE GmbH bietet. Das fängt bei der einfachen Implementierung an, die praktisch mit einem simplen Log-In erledigt ist. Der Funktionsumfang wird anwendungsgerecht zurechtgeschnitten, und Sorgen um die notwendige Hardware muss man sich auch nicht machen. Heute sind nahezu 400 Anwender am System angemeldet, für die keine eigenen Lizenzen zu beschaffen waren. Dadurch ist das System sehr kostengünstig. Und Schwachstellen? So die Frage aus dem Auditorium. „Wenn es eine gibt, dann unsere eigene Internet-Leitung“, so Simsek. Wenn die verfügbare Bandbreite durch Downloads der Produktentwicklung reduziert wird, sinken die Reaktionszeiten. Deswegen wird jetzt eine zusätzliche Leitung bei Neapco geschaltet. „Übrigens eine der wenigen Aktionen, für die sie die IT-Abteilung brauchen“, nennt Simsek einen weiteren Vorteil der Cloud-Lösung.

Dominique Preis, CIM Aachen GmbH, berichtet aus den Erfahrungswerten verschiedener Projekte, welche Punkte vor der Einführung eines Toolmanagement-Systems zu beachten seien. Know-How-Konservierung und Berechnung von Kostenpotenzialen machten Toolmanagement zwingend erforderlich. Dafür müsse zunächst nach Aufnahme des IST-Zustands eine gemeinsame Zielvorstellung formuliert werden. Die Formel 30-20-10 (Reduzierung der Werkzeug-Bestände um 30%, der -Vielfalt um 20% und der Kosten um 10%) bietet hierfür einen guten Rahmen, was auch von den anwesenden Praktikern bestätigt wird.

Matthias Kurth, Volkswagen Sachsen GmbH, Motorenwerk Chemnitz, schilderte nun die Entwicklung des Toolmanagements in seinem Unternehmen. Die begann bereits 1998 mit der Auslagerung an einen Dienstleister, wurde seit 2002 aber aufgrund der hohen Kosten schrittweise wieder zurückgeholt, bis der heutige Zustand der teilweise ausgelagerten Werkzeugverwaltung erreicht wurde. Das Motto der Veranstaltung „Machen oder machen lassen?“ wurde hier auf „Was kann ich gut und wo sollte ich mir helfen lassen?“ heruntergebrochen.

Andreas Stocker, Robert Bosch GmbH, Werk Nürnberg, beschrieb zum Abschluss der Vortragsreihe die Einführung eines Toolmanagement-Systems in einem Betrieb der „extremen Serienfertigung“. Fast 5 Millionen annähernd gleiche Teile werden jedes Jahr herstellt. In der Ausgangssituation seien Werkzeugoptimierungen aufgrund von „wochenlangen“ Codeanpassungen gehemmt gewesen. Mit der Einführung von Data Matrix Codes (DMC) zur eindeutigen Identifikation von Werkzeugen konnten Korrekturwerte nun am Werkzeug selbst hinterlegt werden, wodurch Hardwareinnovationen nun schnell umgesetzt werden könnten. Bei der Auswahl des passenden Toolmanagement-Systems fand er dabei eine, seiner Meinung nach, zu hohe Komplexität vor. „Mein Smartphone hat 420 Funktionen, davon nutze ich 18,“ so Herr Stocker. Deshalb habe er ca. 80% der Funktionen des eingesetzten Toolmanagement-Systems entfernt.


Die abschließende Podiumsdiskussion: Die Aussteller stehen Rede und Antwort

Die abschließende Podiumsdiskussion wurde in diesem Jahr von den Ausstellern übernommen. Es stellte sich heraus, dass der Punkt des „Return on Investment“ oft schon nach einem Jahr erreicht würde. Generell sei die Einführung von Toolmanagement-Systemen nur in Verbindung mit einer ausführlichen Beratung sinnvoll, um die Menge an Herausforderungen identifizieren und überwinden zu können. Von dynamischer Einzelfertigung bis zur Großserienproduktion – Toolmanagement senkt die Kosten, konserviert Know-How und ermöglicht Innovation. Sollten Sie noch nicht angefangen haben, holen Sie sich Hilfe von den Profis und vor allem: fangen Sie jetzt an.

David Westerbarkey

Downloadbereich der Vortragsunterlagen (nur für Teilnehmer)


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Tagungsleitung

Dr. Götz Marczinski, Geschäftsführer, CIM Aachen GmbH

Zielgruppe

Führungs- und Fachkräfte aus den Bereichen Einkauf, Fertigung, Arbeitsvorbereitung und NC-Planung von mittelständischen und großen Produktionsunternehmen, Unternehmer der Werkzeugbranche, Werkzeughändler und Maschinenhersteller.