Das OWC-Cockpit –
Liquidität und Produktivität jederzeit im Blick

Ingo Laqua, Mario Zur

Das Operating Working Capital (OWC) oder Netto-Umlaufvermögen ist eine absolute Kennzahl zur Beurteilung der Unternehmensliquidität. Gerade im heutigen Umfeld kommt dieser Kennzahl eine zentrale Bedeutung zu, bewertet sie doch, ob das Umlaufvermögen des Unternehmens ausreicht, um die kurzfristigen Verbindlichkeiten zu decken.

Eingriffsgrenzen für das OWC definieren
Das richtige Maß für das Working Capital zu finden stellt somit die erste Herausforderung für das Unternehmen dar. Während Forderungen und Verbindlichkeiten noch relativ eindeutig definiert werden können, ist ein Lagerbestand immer in Relation zur Lieferfähigkeit zu bewerten. Tatsache ist, dass in Krisenzeiten das Working Capital häufig dramatisch steigt, da sich Bestände aufgrund nicht abgerufener Aufträge bzw. Forecasts aufbauen und Kunden ihre Zahlungsziele in vollem Umfang ausreizen. Aber wann ist das Working Capital zu hoch?

Die Antwort hierauf ist u.a. von Faktoren wie Eigenkapitalquote, Markt und erforderliche Anlageninvestitionen abhängig. Basierend auf diesen Rahmenbedingungen werden Eingriffsgrenzen für das Working Capital definiert, die sich bspw. in Form der (Kapital-) Bindungsdauer oder des prozentualen Anteils vom Umsatz, Eigenkapital oder anderen Werten darstellen lassen. Hier helfen Benchmarks, um sich ein erstes Bild zu verschaffen. Bspw. beträgt die durchschnittliche Kapitalbindung in der Automobilzulieferindustrie 80 Tage, im anlagenintensiven Maschinenbau hingegen 115. Dennoch muss jedes Unternehmen für sich den optimalen Betriebspunkt und die Eingriffsgrenzen für das Working Capital definieren.

Kennzahlencockpit schafft Transparenz
Die Kennzahl Working Capital lässt sich nicht per Knopfdruck aus einem ERP-System ziehen. Dafür müssen die o.g. Einzelkennzahlen aus unterschiedlichen Modulen wie Warenwirtschaft und Rechnungswesen konsolidiert und ggf. in Relation zu anderen Zahlen gesetzt werden. Im operativen Geschäft ist das Working Capital deswegen eine Zahl, die, wenn überhaupt, nur im Monatsbericht oder gar nicht erfasst wird.

Um dieser Kennzahl die erforderliche Beachtung zu geben, hat CIM Aachen ein Tool entwickelt, das auf Basis der in der ERP verfügbaren Daten den aktuellen Stand des OWC jederzeit abrufbar macht. Dabei ist es einerseits möglich, einen Ziel-OWC zu definieren, der bspw. auch als Kennzahl für Zielvereinbarungen herangezogen werden kann. Andererseits lassen sich die Werte der einzelnen OWC-Bestandteile darstellen, woraus der jeweilige Handlungsbedarf ersichtlich wird. Während dieser bei den Beständen noch einigermaßen transparent ist, ist das Schaffen von Transparenz im Forderungs- und Kreditorenmanagement häufig dringend erforderlich.

Das OWC-Tool basiert auf einer kommerziellen Softwarelösung. Deswegen lässt es sich zu einem ganzheitlichen BI-Tool (Business Intelligence) erweitern, so dass die Relation von Kennzahlen untereinander, deren zeitlicher Verlauf oder Drill-downs auf einzelne Geschäftsvorfälle möglich werden.

Sensitivitätsanalyse auf Knopfdruck
Diese Möglichkeiten bilden dann die Grundlage, um gezielt Maßnahmen einleiten zu können. So lassen sich bspw. über die Entwicklung des Bestandsbilds Potenziale in der Disposition für einzelne Produktgruppen identifizieren oder die Zahlungskonditionen für definierte Kundengruppen optimieren. In Verbindung mit definierten Prozessverantwortlichen wird somit die Grundlage für eine gezielte Liquiditätsoptimierung gegeben.

Interessant ist auch die Möglichkeit, über Sensitivitätsbetrachtungen zu ermitteln, welche Auswirkungen bspw. eine Reduzierung der Bindungsdauer bei Lieferantenverbindlichkeiten hat und wie sich die Freisetzung solcher liquider Mittel auf die Bilanz und GuV auswirken.

Systematik vor System
Wir bleiben unserem Grundsatz treu, nach dem Systematik immer vor System kommt. In diesem Fall schafft das OWC-Cockpit jedoch eine Transparenz, die sonst nicht gegeben ist. Das systematische Einleiten von Maßnahmen aufgrund nachgewiesener Zusammenhänge ist dabei der zentrale Baustein zur Sicherung der Unternehmensliquidität.

erschienen in CIM Aktuell, 01/2009