DV-Unterstützung im Produktionscontrolling

Ingo Laqua

Effizienz in der Produktion heißt auch, die Effizienz schnell und zielorientiert transparent zu machen. Der Einsatz pragmatischer Kennzahlentools unterhalb des ERP ist eine Möglichkeit, mit wenig Aufwand eine hohe Aussagekraft in vertrauter MS-Office-Umgebung zu erzielen.

Im Prinzip ist es ja ganz einfach. Die einen produzieren, die anderen controllieren. Und die Produzenten sehen am Controlling, was falsch oder richtig war. Alles dies soll durch Unternehmenssoftware (ERP-Systeme) sichtbar werden, dafür ist die ja schließlich da.

Über die Effizienz in der Produktion wurde an dieser Stelle schon mehrfach berichtet. Wie aber sieht es mit der Effizienz bei der Informationsbereitstellung aus? Wie können relevante Produktionskennzahlen wie Ausbringung, Produktivität oder Durchlaufzeit so transparent gemacht werden, dass man tatsächlich die Möglichkeit hat, im Sinne eines Regelkreises frühzeitig einzugreifen?

Wenn die visuelle Führung nicht mehr ausreicht, gibt es grundsätzlich drei Möglichkeiten, Kennzahlen im Unternehmen zu ermitteln:

  • auf Basis bestehender DV-Systeme (ERP, BDE/MDE, CAQ etc.),
  • als eigenständige „add-ons“, die sich die notwendigen Daten i.d.R. aus der ERP und anderen (Sub-) Systemen herausziehen,
  • oder als „selbstgestricktes“ Reportingtool, das individuell die benötigten bzw. gewünschten Informationen herausschreibt.

Das, was die DV-Anbieter als MIS (Management-Informations-System), BI-Modul (Business Intelligence) oder Datawarehousing in einer ERP anbieten, stößt in der Praxis heute immer noch sehr schnell an seine Grenzen. Abgesehen von einer häufig zu finanzlastigen Kennzahlenauswahl, hört man auch in Beratungsprojekten sehr häufig „ohne ABAP-Programmierung geht hier nichts." Obwohl in der jüngsten Vergangenheit erhebliche Fortschritte gemacht wurden (über sog. „cube“-Abfragen werden z.B. n-dimensionale Verknüpfungen und somit die Darstellung von Relationskennzahlen wie bspw. eine Produktivität möglich), treten häufig gerade da Probleme auf, wo individuelle Anforderungen wie nicht gängige Größendefinitionen an die Kennzahlenermittlung und -darstellung gestellt werden. Und das ist nahezu immer der Fall.

Add-ons bzw. Stand-alone-Lösungen werden von zahlreichen Herstellern angeboten. Teilweise ist eine saubere Trennung zu den Modulen der ERP-Anbieter nicht möglich, da Umfang und Funktionalitäten ähnlich sind. Auch setzen die BI-Module von ERP-Anbietern aufgrund des hohen Datenvolumens meistens auf eigenständigen Datenbanken auf und sind somit de facto stand-alone-fähig.

Hier wird aber schnell ein wesentliches Problem solcher Systeme sichtbar. Erhebliche Lizenz- und Hardwarekosten für einen eigenen BI-Server mit separater Datenbank. Zudem mögen die Komplexität solcher Systeme und der damit verbundene Einführungsaufwand in einem Konzernverbund hinter dem Nutzen der Anwendung zurückstehen. Der klassische Mittelstand ist aber nur schwer hiervon zu überzeugen.

In einer ganz anderen Liga, aber für den Mittelstand durchaus interessant, spielen selbst erstellte Reportingtools, die über ein Query die Daten aus informationsführenden Systemen ziehen und diese auf Standardanwendungen wie MS-Office spielen.

In einer Reihe von Projekten hat die CIM GmbH (in Ermangelung an DV-Ressourcen des Kunden) eigene Tools für den Kunden zum Produktionscontrolling entwickelt. Anfangs sollten eigentlich „nur“ die für eine Prozessanalyse notwendigen Informationen wie Ausbeute, Produktivität, Durchlaufzeit oder Termintreue ermittelt und aus SAP herausgelesen werden. Die so entstandenen Auswertungen fanden bei der Werksleitung jedoch solch einen Anklang, dass schnell die Frage nach einer standardisierten Abfrage im Monatsraster gestellt wurde. Heute wird das gesamte Unternehmen mit solchen Auswertungen versorgt.

Die Vorgehensweise hierfür sieht folgende Schritte vor:

  • Definition der Kennzahlensystematik
  • Erstellen des erforderlichen Query inkl. Übertrag der Daten nach Excel bzw. Access
  • Evtl. weitere Verknüpfung der Daten in Access
  • Festlegen der graphischen Aufbereitung.

Nach der einmaligen Festlegung der Systematik erfolgt der Rest der Auswertungen weitestgehend automatisiert. Dies wird durch eine vollständige Office-Integration (ODBC, MS-Query) ermöglicht und aktualisiert die Daten auf Knopfdruck.

Effizienz in der Informationsbereitstellung heißt also nicht, grundsätzlich alles neu zu machen, sondern die bestehenden Möglichkeiten effizient zu nutzen.

erschienen in CIMAktuell, Mai 2002