Einkauf lohnt sich

Markus Krüger, CIM Aachen GmbH

Praxisbetrachtung: Das Toolmanagement Seminar der CIM Aachen ist kürzlich der Thematik "Toolmanagement als Dienstleistung" nachgegangen und zeigte praxisnahe Konzepte. Fakt ist, dass es inzwischen für jeden Betrieb eine passende Lösung am Markt gibt und sich der Einkauf durchaus lohnen kann.

Den fachlichen Impuls für die Veranstaltung gab Matthias Müller, CIM Aachen. Ein aktueller Marktüberblick über Dienstleistungsangebote zeigt deutlich, dass logistische Dienstleistung heute zum Standardangebot der Lieferanten gehört. Eine Struktur des Marktes für Toolmanagement als Dienstleistung offenbart, dass die Einbindung des externen Schleif- und Beschichtungsservices in vielen Fällen ebenso in diesen Kreislauf gehört. Erkennbar ist aber auch der Trend zur vollverantwortlichen übernahme der Aufgaben des Toolmanagements – einschließlich des betriebswirtschaftlichen Risikos. Als Erfolgsmaßstab ersetzt dabei in den fortgeschrittenen Fällen die "Bereitstellung von Produktivität" die bisherige Praxis, Werkzeuge bezie¬hungsweise Maschinen bereitzustellen. Die dazu von Müller erläuterten methodischen Vorgehensweisen und Praxisbeispiele finden sich auch im aktuellen Leitfaden zum Thema "Dienstleistung Toolmanagement", der von CIM Aachen herausgegeben wird.

Dienstleister wurden auch in das Vortragsprogramm integriert. So konnte der aktualisierte Marktüberblick von CIM Aachen "live" bewertet werden. TCM, WNT und Sandvik Coromant stellten ihr Dienstleistungsspektrum dar. Dass dabei Werkzeugautomaten eine wesentliche Rolle spielen, zeigte die Achterberg GmbH, die mittlerweile auch zur TCM-Gruppe gehört.

Eine klare Position bezog Frank Hollges von Sandvik Coromant. Als Werkzeughersteller bietet das Unternehmen die gesamte Palette, vom Werkzeugautomaten bis zur Toolmanagement-Software. Der Schwerpunkt liegt dabei allerdings bei der Hilfe zur Selbsthilfe, was durchaus als Antithese zu der Aussage gesehen werden kann, dass der Trend in Richtung vollverantwortliche übernahme der Aufgaben des Toolmanagements geht.

Interessant war zu erfahren, dass die Sandvik AutoTAS-Software in komplett neuem Release verfügbar ist. Die Software ist von der Konzerntochter TDM Systems erstellt worden. "Damit", so Höffges, "ist sichergestellt, dass Auto-TAS aufwärtskompatibel zum bekannten TDM ist."

Apropos Software und Hilfe zur Selbsthilfe: Aus dem Marktsegment der "reinen" Toolmanagementsoftware stellte Walter Götschi das bewährte "WinTool" vor. Dass die Exapt GmbH mittlerweile neben den bekannten Lösungen zur NC-Programmierung auch das Toolmanagement vollständig abdeckt, war die gute Nachricht für alle Produktionsbetriebe, die Lösungen aus einer Hand suchen.

Aus der Praxis für die Praxis
Hilfe zur Selbsthilfe war auch das Stichwort bei der Atlas Copco Energas GmbH in Köln, wo im Rahmen der Erweiterung der Produktionsfläche neben umfangreichen Reorganisationsmaßnahmen auch das Toolmanagement neu aufgesetzt werden sollte. Eine fundierte Bewertung des Ist-Zustands zeigte, dass alle benötigten Ressourcen für ein effizientes Toolmanagement vorhanden waren. "Der Schwerpunkt war auf die Gestaltung der Abläufe zu legen", so Markus Schoor, Fertigungsleiter und verantwortlich für die Reorganisation. "Es ging darum, die vorhandenen Systeme zur Wirkung zu bringen. Und dazu fehlte im Wesentlichen die Anpassung der Systematik auf die neue Fertigungsstruktur, was mit Hilfe der CIM Aachen GmbH effizient gelungen ist." Wirklich neu war die Gestaltung der Werkzeugbeschaffung, die jetzt auch über entsprechende Werkzeugautomaten erfolgt.

Einen anderen Ansatz hat die TRW GmbH in Gelsenkirchen gewählt. Hier hat die Selbsteinschätzung der Verantwortlichen zu der Erkenntnis geführt, dass das für ein wirksames Toolmanagement notwendige Know-how im Betrieb nicht verfügbar war. In der Konsequenz wurden Anfang 2001 qualifizierte Anbieter eingeladen, ein entsprechendes Dienstleistungskonzept zu erstellen. Bereits acht Monate später nahm TCM als Dienstleister mit der übernahme der operativen Werkzeugbestände den Betrieb auf. "Um unsere damals rund 155 Maschinen kümmerte sich ab diesem Zeitpunkt schichtbegleitend ein Team aus Toolmanager, Disponent, Werkzeugexperte und vier Facharbeitern", so Heinz Stupp, Geschäftsführer der TRW Gelsenkirchen. Dabei werden 95 Prozent der Maschinen über "cost per unit produced", also in Relation zum tatsächlichen Produktionsvolumen abgerechnet. Dass TRW mit TCM als Dienstleister auf das richtige Pferd gesetzt hat, zeigt die langjährige Zusammenarbeit. Als das Werk beispielsweise flexible CNC-Fertigungszellen für die Gesamtabdeckung des TRW-Ersatzteilgeschäftes installiert hat, wurde das Versorgungskonzept über sogenannte Werkzeugbahnhöfe entsprechend angepasst.

Bedenken unbegründet
Beeindruckend zum Thema Lean Management war auch die Darstellung von Bernd Renz, elumatec GmbH, ein führender Hersteller von Maschinen für die Bearbeitung von Aluminium- und Kunststoffprofilen. Aus den optimal auf das zu fertigende Teilespektrum abgestimmten Bearbeitungsmaschinen resultiert ein minimaler Rüstaufwand. Die beeindruckende Produktivrate – über 85 Prozent "im Span" – wird dann durch intelligente Spannkonzepte und die Bestückung der Werkzeugmaschinen mit allen benötigten Werkzeugen erreicht. Für das Toolmanagement geht es deswegen hauptsächlich um den Verschleißersatz, was über den Service und die Automaten der WNT GmbH gut darzustellen ist.

CA. Picard GmbH & Co. KG, ein Hersteller verschleißfester Formwerkzeuge für verschiedene industrielle Anwendungen, war im Rahmen des Seminars kein Unbekannter. Bereits vor zehn Jahren hatten Lutz Pflugrad über die erfolgreiche Zusammenarbeit mit der Kromi AG berichtet. Dass neben der Logistik auch technologische Fragestellungen vom Dienstleister übernommen werden, zeigt einerseits die hohe Kompetenz des Dienstleisters. "Andererseits", so Pflugrad, "haben sich anfängliche Bedenken, ob und in welchem Umfang man das Bearbeitungs-Know-how verliert, als unbegründet herausgestellt."

Auf einen Blick - Dienstleistung auf dem Vormarsch
Die seit 1996 laufende Seminarreihe thematisiert unterschiedliche Aspekte des Toolmanagements, von organisatorischen Fragen über Toolmanagement-Software bis zu Dienstleistungskonzepten. Dazu wird jeweils eine begleitende Fachausstellung in die Vortragsveranstaltung integriert. Toolmanagement als Dienstleistung ist zurzeit auf dem Vormarsch. Dabei kommen durchaus differenzierte Konzepte zum Einsatz, sodass für jeden Betrieb die passende Lösung gefunden werden kann. Am 30. September 2010 geht es weiter: Im Rahmen der AMB in Stuttgart wird es ein Forum zur Dienstleistung Toolmanagement geben. Mehr dazu unter www.cim-aachen.de

erschienen in Fertigung, März/April 2010