Einsparpotenzial optimal ausschöpfen

Serie Werkzeugverwaltung in der Praxis, Teil 1 (Teil 2 , Teil 3 , Teil 4)

Richtig eingesetztes Toolmanagement kann große Zeit- und Kosteneinsparungen realisieren. Trotzdem ist es um diesen Bereich etwas still geworden. Zusammen mit der CIM GmbH, Aachen, will die Zeitschrift fertigung in einer mehrteiligen Serie die Möglichkeiten, die in praxisnahem Toolmanagement stecken, herausarbeiten. Denn die Produktivitätspotenziale jenseits der Schneide sind nicht zu verachten!

Dass Toolmanagement (TM) einen wichtigen Baustein für das wirtschaftliche Zerspanen bildet, ist mittlerweile eine Binsenweisheit. An Erfolgsmeldungen aus unterschiedlichen Branchen und belastbaren Referenzen der entsprechenden Systemanbieter mangelt es nicht. Trotzdem ist es in der jüngsten Vergangenheit ruhig geworden um dieses Thema. Offensichtlich sind in den vergangenen Jahren mehr grundsätzliche Themen der Fertigung im Fokus des Managements gewesen. Mit der anziehenden Konjunktur wird diese "Funkstille" überwunden werden, denn nach der Konsolidierungsphase geht es jetzt wieder vermehrt darum, mehr aus den bestehenden Betrieben herauszuholen.

Und dazu müssen auch Produktivitätspotenziale jenseits der Schneide erschlossen werden. Grund genug, das Thema Toolmanagement wieder ins Bewusstsein zu rufen. Dazu plant die CIM GmbH, Aachen, Anbieter und Anwender von Toolmanagement-Systemen bei einem Seminar in den Dialog zu bringen (siehe Kasten "Zur Sache"). Der Markt für Toolmanagement- Software ist ein Nischenmarkt. Allerdings ist das Marktpotenzial für die entsprechenden Anbieter solcher Systeme noch längst nicht erschlossen. Derzeit aktualisiert die CIM GmbH dazu eine im Jahr 2003 durchgeführte Potenzialanalyse zu diesem Thema. Es zeichnet sich ab, dass es zwar Verschiebungen, aber keine grundsätzlichen Änderungen gibt. Das Marktpotenzial für Toolmanagement-Software in Deutschland wird auf mehr als 50 Mio. Euro geschätzt. Diese Einschätzung stützt sich auf das statistischen Jahrbuch: Demnach können mehr als 45 000 Betriebe dem verarbeitenden Gewerbe zugerechnet werden. Anhand der entsprechenden Branchenschlüssel sind ein Drittel dieser Betriebe mit mechanischer Bearbeitung ausgestattet. Von diesen Unternehmen sind nur Betriebe jenseits der 40 Mitarbeiter betrachtet worden, so dass sich die Zahl der Kandidaten auf.

lm Fokus: Firmen bis 500 Mitarbeiter
13 000 reduziert. Da mechanische Bearbeitung nicht gleichzusetzen ist mit spanender Bearbeitung, haben die Aachener Spezialisten in einer Stichprobenbetrachtung den möglichen Anteil der wirklichen relevanten Betriebe (also mit Zerspanung) abgeleitet. Um das Marktpotenzial abschätzen zu können, wurden dann Annahmen über die durchschnittlichen Lizenzkosten der entsprechenden Systemkategorien geschätzt. Im Ergebnis zeigt sich, dass der "klassische" Mittelstand mit bis zu 500 Mitarbeitern dass interessanteste Marktsegment darstellt.

Zieht man in Betracht, das TDM-Systems (vormals Walter TDM) als Marktführer gemäß veröffentlichtem Jahresabschluss 2005 4,4 Mio. Euro Umsatz gemacht hat, wird das Marktpotenzial noch unterstrichen. Au8erdem: Block und Bleistift, MS-Excel oder andere "Eigenbauten" sind noch immer weit verbreitet. Das Marktpotenzial stellt sich für potenzielle Anwender deutlich anders dar: Hier zählt vor allem der Nutzen, den die Systeme bieten. Wertet man die Rahmendaten der Studie aus dieser Perspektive aus, müssten sich TM-System wie die berühmten "warmen Semmeln" verkaufen. Denn in Summe übertrifft das zu erwartende Einsparpotenzial die Lizenzkosten deutlich. Doch bei näherem Hinsehen wird ersichtlich, wie fragmentiert der Markt ist. Um zu der Einschätzung des Einsparpotenzials zu gelangen, hat die CIM GmbH Erfahrungswerte aus unterschiedlichen eigenen TM-Projekten und auch aus der Literatur entnommen. Demnach machen die Werkzeugkosten durchschnittlich drei Prozent der Fertigungskosten aus.

Zehn Prozent der Werkzeugkosten einsparen
Im typischen TM-Projekt werden, konservativ geschätzt, zehn Prozent der Werkzeugkosten mit reduzierter Vielfalt und kleineren Beständen eingespart. Berücksichtigt man die unterschiedlichen Fertigungstiefen, so kann aus den Umsatzzahlen des statistischen Jahrbuchs eine Abschätzung des möglichen Potenzials getroffen werden. Auch wenn das Potenzial aufgrund der Vielzahl der Betriebe beeindruckend ist, zeigt sich doch für den Durchschnittsbetrieb eine eher überschaubare Größenordnung. Auf den ersten Blick attraktiv ist Toolmanagement offensichtlich nur für wenige. Und dabei ist noch nicht berücksichtigt, dass aus der Nutzerperspektive die angenommenen Lizenzkosten das geringste Problem sind. Für den Anwender entstehen zusätzliche Projektkosten für Customizing und Beratung, vor allem auch interner Aufwand.

Dieses statistische Bild wird durch die Momentaufnahmen eigener Projekterfahrungen und durch die in entsprechenden Erfolgsberichten einzelner Systemanbieter geschilderten Ergebnisse "gestört". Zum einen liegen die Produktivitätspotenziale zu großen Teilen in Prozesskosten (Personal zum Aufrechterhalten des Materialflusses) und der Erhöhung der Maschinenverfügbarkeit. Die direkten Werkzeugkosten kommen abgesehen von Einmaleffekten durch obsolete Werkzeugbestände erst später in den Fokus. Zum anderen gehört zum Angebot der Systemanbieter heutzutage mehr als nur Softwarepakte abzuliefern. Und schließ1ich wird die Einführung und der Betrieb entsprechender Softwarepakete durch verschieden Initiativen zur Datenbereitstellung wesentlich vereinfacht. Es lohnt sich also, auf die Details zu achten und die Möglichkeiten des Toolmanagements vor dem Hintergrund der Gegebenheiten im eigenen Unternehmen zu prüfen.

Toolmanagement- Seminar
Am 27. Februar 2007 lädt die CIM GmbH zu einem Toolmanagement-Seminar ins Hotel Maritim in Ulm. Kernpunkte der sehr praxisorientierten Veranstaltung sind die Aufwand- /Nutzen-Betrachtung solcher Systeme, das Schaffen der organisatorischen Voraussetzungen sowie die richtige Softwareauswahl und -einführung. Nähere Infos unter www.cim-aachen.de

erschienen in fertigung, November 2006