ERA - Wie ein Lohnfertiger den Leistungsgedanken fördert

von Dipl.-Wirt. Ing. Markus Krüger, CIM GmbH Aachen

Stassfurt (ba). Lohnfertigung in Deutschland kann immer noch profitabel sein. Dies stellt die AWS Achslagerwerk Staßfurt GmbH mit einem an ERA angelehnten Lohnsystem unter Beweis.

Um diesen Wandel vom ehemaligen VEB - Betrieb zum hochflexiblen Lohnfertiger voranzutreiben, wurde zusammen mit der CIMAachen das AWS-Produktionssystem aufgebaut. Ein Baustein mit dem Namen „leistungsorientierte Entlohnung“ war integriert.

Dessen Basis bildet ein Kennzahlensystem. Dieses Kennzahlensystem dient nicht nur allein der Unternehmenssteuerung oder dem neuen Entlohnungskonzept, sondern berücksichtigt zusätzlich weiterführende Anwendungsmöglichkeiten wie z.B. die Prozessstabilisierung. Das CIMAachen brach zur Ermittlung der Kennzahlen, basierend auf der zentralen Führungsgröße Umsatzrenditen, schrittweise die Bestandteile Gewinn (also Kostenblöcke) und Umsatz, mit Gewichtung auf Bereichs- und Gruppenkennzahlen, herunter. Dabei kombinierten die Experten pro Organisationseinheit unternehmensübergreifende und gruppenspezifische Kennzahlen. Aufgrund der Kernkompetenz Lohnfertigung leiten sich die Kernkennzahlen aus den Bereichen Qualität, Termin und Kosten (Produktivität) ab.

So wird beispielsweise für die Bestimmung der zentralen Kennzahl „Produktivität“ die Zahl der erstellten Gutstücke mit der Vorgabezeit gewichtet und Anwesenheit der Mitarbeiter der Gruppe gegenübergestellt. Durch einen weiteren Baustein des Produktionssystem, die flexible Arbeitszeit, wird den Mitarbeitern ermöglicht, beide Komponenten der Kennzahl zu beeinflussen. Dabei sind die formulierten Kennzahlen selbstschärfend.
Ein weiteres neues Element des leistungsorientierten Entlohnungskonzepts ist die Deckelung in Abhängigkeit vom Gewinn: Er bestimmt die Auszhalungssumme. Sollte die Prämiensumme höher sein als die Auszahlung zur Verfügung stehende Summe, werden die Prämien entsprechend der Auszahlungssumme normiert. Im umgekehrten Fall wandert der überschüssige Auszahlungsbetrag in einen „Jackpot“. Dieser wird am Jahresende an die Mitarbeiter ausgeschüttet oder steht unter ihrer Mitbestimmung für Investitionen bereit. Bei einer Neugestaltung des Entlohnungssystems bietet es sich an, dieses dem Grundgedanken des kommenden Entgeltrahmenabkommens (ERA) entsprechend aufzubauen. Die Mitarbeiter der AWS werden entsprechend ihrer Tätigkeit und Qualifikation bewertet, ihr Grundentgelt wird angepasst. Dabei kann es für manche Mitarbeiter zu Einkommenseinbußen kommen. In solchen Fällen tritt die individuelle Entgeltsicherung in Kraft. AWS Achslagerwerk Staßfurt wird dann auf das geringere Grundentgelt eine Besitzstandszulage zahlen, die von kommenden Tariferhöhungen aufgezehrt wird.

Neben diesen Abstufungsfällen gibt es auch Mitarbeiter, die von der neuen Regelung profitieren. Dies trifft vor allem junge, gut ausgebildete Facharbeiter zu, die als große Gewinner aus der Neuorganisation des Entgeltsystems hervorgehen. Um auch diesen Gehaltssprung nicht zu groß werden zu lassen, sind auch hier Regelungen getroffen worden, die die Einführungsphase für alle verträglicher machen. Die in der Theorie propagierte Kostenneutralität ist bei der Firma AWS Achslagerwerk Staßfurt GmbH nicht gegeben, so dass die getroffenen Regelungen für Arbeitnehmer und Arbeitgeber notwendig sind. Wie schon angedeutet war die AWS Achslagerwerk Staßfurt GmbH nicht verpflichtet, die ERA – Prinzipien anzuwenden. Obwohl der Zwang zu ERA noch in weiter Ferne liegt, entschied man sich in Staßfurt zu dieser doch aufwändigeren Neugestaltung. Ein weiterer entscheidender Vorteil für die Firma AWS ist die Mitarbeiterbeschaffung.

„Leistungsgedanken überall implementiert.“ - Patrick Luig, Achslagerwerk Staßfurt

Man kann sagen, dass das alte Entlohungssystem lange Firmenzugehörigkeit belohnte. Junge, qualifizierte Mitarbeiter konnten so nicht für den Standort Staßfurt begeistert werden und wanderten ab. Durch diese Neuorientierung auf Leistungskriterien lohnt es sich wieder für einen qualifizierten Facharbeiter, am Standort Staßfurt zu arbeiten. „Das Konzept der Entlohnung nach erbrachter (Gut-) Leistung gibt uns als Lohnfertiger die Möglichkeit, den vom Kunden geprägten Qualitäts- und Leistunsgedanken in allen Unternehmensbereichen zu implementieren. Die Mitarbeiter begreifen sich mehr und mehr als Unternehmer im Unternehmen und sehen, dass ihrer Ware/Dienstleistung nur bei pünktlicher und qualitätsgerechter Leistung vom Kunden entlohnt wird“, so Patrick Luig, Geschäftsführer AWS Achslagerwerk Staßfurt GmbH.

Das Entgeltrahmenkonzept (ERA)

  • Im Jahre 2002 haben die Tarifparteien vereinbart, die Zweiklasseneinteilung in Lohn und Gehalt zu beseitigen und die Tarifverträge für Arbeiter und Angestellte in Entgeltrahmentarife bzw. –abkommen (ERA) zusammenzuführen. Das bedeutet, dass die Mitarbeiter entsprechend ihrer ausgeführten Tätigkeit und eingesetzten Qualifikationen bezahlt werden.
  • Je nach Tarifgebiet gelten verschiedene Einführungszeiträume. In Tarifgebieten Bayern, Sachsen, Sachsen – Anhalt, Berlin und Brandenburg ist bis jetzt noch keine Einigung erzielt worden

erschienen in Produktion Nr. 24, 2005