Eurologistik – reaktionsschnelle Warenverteilung im Dienst des Kunden

Berthold Klever, Thomas Pehl

Die Kernkompetenz von Industrieunternehmen wird vielfach in der Produktion qualitativ hochwertiger und preislich attraktiver Produkte gesehen. Aus Kundensicht ist jedoch auch die termingenaue Lieferung wesentlicher Zufriedenheitsmaßstab. Die Reaktionsgeschwindigkeit auf Kundenwünsche wird damit zu einem wichtigen Differenzierungskriterium im globalen Wettbewerb.

Die Distributionslogistik – bisher häufig als betriebliche Hilfsfunktion angesehen – beeinflußt inzwischen maßgeblich die Wettbewerbsfähigkeit von Unternehmen. Einerseits als Kostenfaktor, der in manchen Branchen bis zu 30% des Umsatzes erreichen kann. Andererseits als Mittel, um die wachsenden Anforderungen der Kunden bezüglich Lieferzeit, Lieferservice und –flexibilität zu erreichen – Kriterien, die aufgrund der zunehmenden Homogenisierung der Produkte zu einem wesentlichen Marketinginstrument avanciert sind und ein wesentliches Differenzierungsmerkmal im Markt darstellen.

Trotz dieser Bedeutung wurde die Distributionslogistik in vielen Industrieunternehmen bislang eher stiefmütterlich behandelt. Kennzeichnend sind häufig:

  • geringe Lieferverfügbarkeit bei gleichzeitig hohen Beständen,
  • lange Durchlaufzeiten und hohe Kosten im Lagerbereich durch ineffiziente Lager- und Kommissioniertechniken und unnötiges Mehrfachhandling,
  • hohe Transportkosten durch eine ungünstige Anzahl von Lagern oder Lagerstufen sowie suboptimale Lagerstandorte,
  • unnötige Transporte zwischen den Lagern und schlechte Auslastung der Transportkapazitäten.

Das Konzept Eurologistik
Der Schlüssel zur nachhaltigen Verbesserung liegt in einem maßgeschneiderten Logistikkonzept, das auf die Bedürfnisse des jeweiligen Unternehmens und die Anforderungen seiner Kunden zugeschnitten ist. Ein Beispiel hierfür ist die zukünftige Eurologistik bei der Freudenberg Dichtungs- und Schwingungstechnik KG. Im Markt als Entwicklungspartner und Zulieferer mit hoher Problemlösungs-kompetenz qualitativ hochwertiger Bauteile und Paketlösungen etabliert, ist die Warenverteilung europaweit in 24 - 72 Stunden sicherzustellen. Dazu war der hochflexible Produktionsverbund dezentraler Fabriken logistisch zu integrieren. Mit dieser Zielsetzung entwickelten die Freudenberg Dichtungs- und Schwingungstechnik KG und die CIM GmbH gemeinsam das zukünftige Eurologistik-Konzept.

Zunächst wurde das Artikelsortiment in definierte Lieferserviceklassen (Katalog-, Serien-, Sonderartikel) eingeteilt. Die Lieferserviceklasse ist maßgeblich für die Bevorratungsstrategie und Ausgangspunkt zur Ermittlung der Lagerreichweite.Die Lagerung und der Versand erfolgen zukünftig ohne weitere Umlagerung direkt aus den Produktionsstandorten. Der Handlingaufwand wird dadurch minimiert.

Die dezentralen Lager dienen dabei zugleich als Produktionspuffer und als (logisches) Verkaufslager mit eindeutiger Zuordnung der Bestandsverantwortung zur Produktion bzw. zum Verkauf. Da sowohl Lagerort als auch Bestandsverantwortung klar definiert sind, ergeben sich als weitere Vorteile eine hohe Bestandstransparenz und der Anreiz für eine sorgfältige Disposition.

Darüber hinaus ist das Konzept überaus flexibel und erfüllt die Forderung der dezentralen Organisation nach geschlossenen Verantwortungskreisen. Die Integration weiterer Lager (Unternehmenswachstum) ist ebenso unproblematisch wie der Aufbau weiterer Lagerstufen. Dies kann zur Verkürzung der Lieferzeit sinnvoll sein, etwa wenn aufwendige Zollformalitäten dem Direktversand entgegenstehen, z.B. in Mittel- und Osteuropa.

Die Umsetzung
Im Rahmen der konkreten Umsetzung des Eurologistik-Konzeptes unterstützt die CIM GmbH die einzelnen Standorte der Freudenberg Dichtungs- und Schwingungstechnik KG beim Aufbau der dezentralen Lager durch

  • die Analyse der Bewegungsdaten und der Sendungsstruktur,
  • die Lagerplanung,
  • die Festlegung der zukünftigen Prozesse,
  • die standortspezifische „Make-or-buy“-Betrachtung und ggf.
  • die Auswahl geeigneter Dienstleister.

Wurde die „Make-or-buy“-Entscheidung zugunsten des Outsourcing gefällt, übernimmt die CIM GmbH in enger Zusammenarbeit mit Mitarbeitern der Freudenberg Dichtungs- und Schwingungstechnik KG auch die Auswahl eines für die Aufgabenstellung geeigneten Logistikdienstleisters, angefangen von der Erstellung der Ausschreibungsunterlagen über die Angebotsbewertung bis zur Vorbereitung des Vertragsabschlusses.

erschienen in CIMAktuell, November 1998

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