Fit für den Aufstieg

Dr. Götz Marczinski

Tagung: Um ein Toolmanagement-System zur Wirkung zu bringen sind organisatorische Vorarbeiten notwendig, für die in Boomzeiten keiner Zeit hatte. Jetzt ist die Zeit da. Deswegen macht es Sinn, sich heute mit diesem Thema auseinanderzusetzen, darin waren sich die Teilnehmer des diesjährigen "Zerspan-Seminars" der CIM Aachen einig.

Dass die Krise nicht vor der Fertigung halt macht, zeigten auch die Teilnehmerzahlen beim "Wirtschaftlich Zerspanen". Machten sich im letzten Jahr noch über 80 Fertigungsexperten auf den Weg nach Ulm, waren es in diesem Jahr knapp die Hälfte. Umso intensiver war der Erfahrungsaustausch mit den in das Veranstaltungskonzept integrierten Systemanbietern. Den Schwerpunkt des Impulsvortrags legte Matthias Müller auf die Reduzierung der Kapitalbindung. Was lässt sich schnell und mit "Bordmitteln" ohne Investition in neue Software erledigen? Als zentrale Punkte bieten sich die Bereinigung der Werkzeugvielfalt und die Optimierung der Dispositionsparameter an.

In enger Zusammenarbeit mit der Anwendungstechnik ist sowohl die Vielfalt bei der Geometrie als auch die der Schneidstoffe zu hinterfragen. Am Beispiel konkreter Projekte zeigte Müller, dass für die effiziente Schneidstoffverwaltung keine spezielle IT-Lösung erforderlich ist. Für die Bestandsoptimierung sind dann die klassischen Parameter Sicherheitsbestand und Bestellmenge zu hinterfragen. Sind die eingestellten Wiederbeschaffungszeiten und Reichweiten noch aktuell? Weil auch diese Aufgabe mit der bestehenden IT, ganz pragmatisch sogar mit Office-Programmen durchgeführt werden kann, sind so schnelle Effekte zu erzielen. Am Beispiel des Geschäftsbereichs Pumpen der Oerlikon-Barmag wurde deutlich, wie durch die Optimierung der Werkzeugorganisation die Anzahl der Werkzeugwechsel deutlich reduziert werden konnte. Systemtechnisch wird dazu das BMO-Modul der Exapt-Systemtechnik GmbH eingesetzt.

Als Baustein des "Digital Manufacturing" bei der Krones AG wurde eine durchgängige Lösung für den Werkzeugkreislauf auf Basis von TDM-Systems gezeigt. Vor dem Hintergrund der gewandelten Fertigungstechnologien war der Einsatz eines modernen Toolmanagement-Systems wichtig, erläuterte Heinz Würner-Kirner.

 

Pragmatische Lösung
Um Innovation in der Großteilefertigung bei der Kempten Manufacturing GmbH zur Wirkung zu bringen, war eine pragmatische Lösung für das Toolmanagement erforderlich. Das System sollte einfach an den gewünschten Ablauf anzupassen sein, so eine zentrale Forderung von Michael Warta, dem technischen Leiter des ehemaligen Ma-ho Werks. Mit WinTool der Datos AG sind diese Forderungen erfüllt worden.

Zum Abschluss erweiterte Stefan Hoppe vom PWK die Perspektive auf potenzielle Dienstleister. Die günstige Gelegenheit, die Werkzeugversorgung praktisch von der Grünen Wiese aus zu planen, wurde zur Einführung entsprechender Bereitstellautomaten genutzt. Auf diese Weise ist der für das Presswerk relativ neue Bereich der Zerspanung so transparent gestaltet worden, dass Prozessoptimierungen anhand der Verbrauchsparameter der Werkzeuge indiziert werden konnten.

Ob denn der Einsatz eines Dienstleisters für das Toolmanagement nicht der Schlüssel wäre, um schlagartig die Bestände aus der eigenen Bilanz zu bekommen, so eine zentrale Frage während der Diskussion unter den Teilnehmern. Theoretisch ist das ein Weg, praktisch ist die besonders angespannte Situation der entsprechenden Unternehmen zu sehen. So "sitzen" die Dienstleister vielfach auf ihren Konsignationsbeständen und es fließt nichts ab. Insbesondere durch den stockenden Automobilbereich, in dem diese Versorgungskonzepte weit verbreitet sind, wird dieser Aspekt im Verlauf der aktuellen Krisensituation noch an Bedeutung gewinnen. Deswegen werden die finanziellen Spielräume für neue Versorgungsprojekte enger. Wer bereits einen entsprechenden Versorgungsvertrag hat, der sollte mit seinem Lieferanten in den partnerschaftlichen Dialog eintreten, um konstruktiv die Versorgungssicherheit zu überprüfen. Als roter Faden zog sich der Aufwand zur Datenerfassung durch die Praxisbeispiele. Ob es um die Abbildung der Komplettwerkzeuge bei der Barmag, den Aufbau der Datenbank bei der Krones AG oder die Strukturierung der Einstellblätter bei KMF ging, der Hinweis auf den nicht zu unterschätzenden Aufwand fehlte in keinem Beitrag. Sogar, so Hoppe, für die "paar Werkzeuge" (es ging um 60 Komponenten zuzüglich Zubehör) waren mehrere Wochen notwendig. Denn es reicht nicht, nur "ein paar Daten einzuklimpern." Die Struktur muss sachgerecht vorbereitet werden, die Möglichkeiten zur Datenbereitstellung seitens der Kunden sind zu berücksichtigen und die Relationen von Komponenten zu Komplettwerkzeugen beziehungsweise zu Werkstücken sind abzubilden. Arbeiten, für die in der Flaute Zeit wäre. Denn es gilt, im Sturm den Aufstieg vorzubereiten.

erschienen in fertigung, Mai 2009