Ganz nah an der Praxis

Jürgen Gutmayr, Redaktion fertigung

Tagung: Mit einer bewährt praxisnahen Veranstaltung inklusive integrierter Fachausstellung machte CIM Aachen kürzlich den Jahresauftakt ihrer Seminarreihe zum Thema Toolmanagement in Ulm. Neben praxisrelevanten Innovationen und Neuheiten stand unter anderem die Zukunft der berührungslosen Werkzeugerfassung mittels RFID im Fokus des eintägigen Seminars.

Die bereits seit 15 Jahren laufende Seminarreihe der CIM Aachen hat sich in der Werkzeug-Branche und seinen Anwendern bestens etabliert und war auch diesmal wieder gut besucht. Mehr als 40 Teilnehmer waren dem Ruf von Götz Marczinski, Geschäftsführer der CIM Aachen GmbH, sowie seinen Mitarbeitern gefolgt, um sich in Ulm zu einer interessanten und vor allem praxisorientierten Tagung zu treffen und zu diskutieren. Eines vorneweg: Interessant war die Erkenntnis, dass zahlreiche Unternehmen die vergangene Krise offensichtlich genutzt haben und freie Ressourcen zum Ausbau oder zur Einführung eines Werkzeugverwaltungssystems forcierten.

Den Auftakt der Veranstaltung bildete eine Kurzvorstellung der namhaften Ausstellungspartner, die das eintägige Seminar mit ihren kleinen Ständen interessant begleiteten. Dazu zählten die Exapt Systemtechnik GmbH, Siemens Industry Software GmbH & Co. KG, EECC-Metro Innovationcenter sowie die Zoller und die CIM Aachen mit ihrer CIMSource Software. Einen wesentlichen Aspekt der schnellen Wissensvermittlung rund ums Thema Werkzeug und dessen Verwaltung brachte Karsten Bekemeier, Vertriebsleitung Software bei Zoller, auf den Punkt: "Die Anwender haben heute kaum mehr Zeit sich über mehrere Tage hinweg auf Schulungen zu begeben. Wir haben deshalb bei Zoller die sogenannte Seminarreihe Lunch & Learn eingeführt. Wir bieten die Möglichkeit eine effiziente Fertigung beim Mittagessen kennenzulernen." Die Zoller-Seminare starteten erstmals am 25. März und finden alle 14 Tage in den Tool Management Centern in Pleidelsheim und Hannover statt.

Einen Blick in die Zukunft der modernen Werkzeugerfassung machte Thomas Holtstiege von EECC - European EPC Competence Center RFID Innovation Center. RFID bedeutet die Erfassung eines Objektes mittels Transponder, wie etwa im Zündschlüssel eines Fahrzeugs. Besser, was in der Logistik und der Warenerfassung beispielsweise bei Metro schon gang und gäbe ist, lässt sich auch bei den Werkzeugen umsetzen. Mittels passivem Transponder, der im UHF-Bereich sendet, können Tools über einen größeren Bereich berührungslos erfasst und in ein System ein- oder ausgebucht werden. Dass dies keine Zukunftsmusik ist, machte er an einem konkreten Anwenderbeispiel fest.

Lean in der Zerspanung
Anschließend startete Alexander Nachtwey, Projektingenieur Vorfertigung bei Wika Alexander Wiegand SE & Co. KG, dann mit seinem Erfahrungsbericht über Lean in der Zerspanung beim Hersteller für Druck- und Temperaturmesstechnik. Mit rund 40 CNC-Maschinen ist das Unternehmen schwerpunktmäßig im Bereich Drehen sowie Fräsen und Gravieren tätig. Mit rund 35 000 Fertigungsaufträgen für 8000 verschiedene Teile pro Jahr galt es die Reaktionsschnelligkeit und Produktivität zu optimieren.

Mit einer ausgeklügelten Strategie in der Werkstattorganisation und einer übergreifenden Bedienerunterstützung sowie einer vernetzten Produktion hat Wika das Thema "Lean-Zerspanung" bestens in den Griff bekommen. "Wichtig ist eine entsprechende Akzeptanz der Mitarbeiter, auch übergreifend an anderen Maschinen zu arbeiten", erklärte dazu Nachtwey. Weitere Punkte waren auch Rüstzeiten sowie der Umgang mit Standardwerkzeugen und deren externe Voreinstellung mit einem Zoller-System.

Erfolgsfaktoren sind nach Meinung von Nachtwey die Vorarbeiten an der eigenen Werkzeugdatenbank und die Einführung eines Werkzeugausgabeautomaten von Iscar. Wie sich die Betriebsmittelorganisation im Fertigungsprozess bei Rheinmetall mit Hilfe eines Exapt-Systems darstellt, skizzierte Manfred Kaiser, Arbeitsvorbereitung Rheinmetall RWM, in seinem Vortrag. Da bei Rheinmetall im Geschäftsbereich Defence, Waffen und Munition, meist heikle Zerspanungsaufgaben mit komplexen Werkstoffen an der Tagesordnung sind, gilt es die entsprechenden Fertigungsabläufe entsprechend zu organisieren. Kaiser zeigte an Hand von Beispielen, wie sich etwa EXAPTpdo im Toolmanagement für alle Betriebsmittelarten einsetzen lässt.

Die Anwendung reicht bei Rheinmetall von der Teilegrunddatenverwaltung bis hin zum Werkzeugplan oder Berechnungsregeln für die automatische Übernahme von Komponentendaten zu den Komplettwerkzeugen. Als eine wesentliche Zielsetzung einer optimierten Fertigung hat sich das Unternehmen mit der Realisierung eines digitalen Verbundes von EXAPTpdo und einem Zoller-Einstellgerät gesetzt.

Werkzeugdatenbank-Vergleich
Rene Frei, Leiter NC-Programmierung der Schweizer PSA Parts & Systems AG, widmete sich in seinem Vortrag ausführlich dem Thema "Erstellung einer Werkzeugdatenbank mit NX/Teamcenter für eine effiziente Maschinensimulation". Eindrucksvoll schilderte Frei das Vorgehen und das Abwägen der Stärken und Schwächen der verschiedenen Systeme am Markt. Erreicht wurde durch NX etwa eine Reduzierung der Programmierzeiten und eine Erhöhung der Produktionsstunden auf den einzelnen Maschinen.

Weitere Vorträge von Matthias Bold, Leiter Toolmanagement bei KHS, über integriertes Toolmanagement sowie Toolmanagement in der eigenen Verantwortung von Steffen Timm, Geschäftsführung, Fertigungstechnik Nord GmbH, rundeten die Seminarreihe ab.

Mit einer finalen Diskussionsrunde beendete Götz Marczinski am späten Nachmittag eine weitere praxisnahe Veranstaltung der CIM-Aachen-Seminare zum Thema Toolmanagement. Fortsetzung folgt!

 

Kernkompetenz der CIM Aachen

CIM Aachen steht als Managementberatung für Produktivität und schlanke Prozesse im Industriebetrieb. Die Fähigkeit, Geschäftsprozesse verschwendungsfrei zu organisieren und durch die Anwendung fortschrittlicher Informationstechnologien effizient zu gestalten, ist die Stärke von CIM Aachen. Produktentstehung, Auftragsabwicklung und Produktion sind die zentralen Wertströme für die gemeinsame Arbeit mit den Kunden. Verstehen, Vereinfachen und Verbessern der Geschäftsprozesse stehen im Fokus der Projektarbeit.

 

Meine Meinung

Götz Marczinski und sein Team der CIM Aachen GmbH haben das Ohr am Markt und wissen, was die Anwender interessiert. Wer etwa eine Anregung oder Hilfestellung bei der Einführung eines Toolmanagement-Systems sucht, ist bei CIM Aaachen an der richtigen Stelle. Deren Seminare sind aus meiner Sicht jeden Euro wert. Unter www.cim-aachen.de/veranstaltungskalender.php finden sich alle Seminare oder Roadshows auf einen Blick.

erschienen in werkzeuge, Juni/ Juli 2011