In drei Jahren wettbewerbsnotwendig - Aktuelle Umfrage zur Bedeutung der „Digitalen Fabrik“

Dr. Götz Marczinski, Markus Krüger

Die einen halten sie für mittelfristig wettbewerbsnotwendig, die anderen vermuten hinter dem Schlagwort Bestrebungen zur „gnadenlosen“ Automatisierung der Produktion. So grundsätzlich liegen die Positionen bei der Digitalen Fabrik auseinander.

Aus den Antworten von ca. 250 befragten Unternehmen verschiedener Branchen lässt sich zunächst eines ablesen: Es gibt eine „Community“, die
dem Thema Digitale Fabrik aufgeschlossen gegenübersteht. Hierzu gehören die „üblichen Verdächtigen“ aus der Automobilindustrie und dem Flugzeugbau sowie die dazugehörigen Zulieferer.

Déjà-vu?
Aus der Befragung lässt sich aber auch die andere Extremposition ablesen. Die ablehnenden Antworten („kein Interesse, ohne Relevanz für unser Unternehmen“) reflektieren negative Déjà-vu Erlebnisse mit den CIM-Technologien der 80er Jahre. Diejenigen Unternehmen, die mit „Digitaler Fabrik“ die „papierlose Fabrik“ assoziieren, habe durchweg ablehnend geantwortet.

Aus den verbleibenden Befragungsteilnehmern von Investitionsgüterherstellern und Unternehmen des allgemeinen Maschinenbaus gab es differenzierte, doch durchweg konstruktive Antworten. Die Gründe für diese positive Grundhaltung lassen sich auf positive Erfahrungen mit dem systematischen Produktdatenmanagement zurückführen.

Offensichtlich wird in diesen Unternehmen eine Analogie von Produkt und Produktionsentwicklung erkannt. „Was wir in der Produktentwicklung an Methoden und Systemen durchgesetzt haben, erfasst jetzt die Produktionsplanung“, so der Entwicklungsleiter eines der befragten Unternehmen.

Zwischenfazit: Das bei der Befragung implizit vorausgesetzte Grundverständnis der Digitalen Fabrik als Engineering Werkzeug wird nicht überall geteilt. Dementsprechend variiert die Qualität der Antworten.

Trendaussagen
Die Befragung erfolgte anhand eines strukturierten Fragebogens und darauf aufbauenden telefonischen Interviews. Zunächst ging es um allgemeine Einschätzungen und die Bewertung der Relevanz für das eigene Unternehmen. Einhellige Meinung der Befragungsteilnehmer: Die Digitale Fabrik….

... wird in drei Jahren wettbewerbsnotwendig sein.

… helfen, die relative Wettbewerbsposition zu halten.

… Investitionsgüterlieferanten werden als Entwicklungspartner gesehen.

Stimmig geantwortet haben die Investitionsgüterhersteller und Zulieferanten: Die Kunden werden die Digitale Absicherung fordern!

Nutzenperspektive
Dass die Digitale Fabrik zum großen Teil als Prozessthema eingeschätzt wird, zeigen die Antworten aus der Nutzenperspektive. Es geht um verbindliche Kommunikationsstrukturen, um das Durchsetzen „schlanker“ Entwicklungsprozesse und die Entlastung von Routineaufgaben. Organisatorische Maßnahmen im Vorfeld der Einführung der Digitalen Fabrik werden demnach auch als größter Hebel für Zeiteinsparungen im Entwicklungsprozess gesehen.

Risiken für den Erfolg eines möglichen Projekts „Digitale Fabrik“ kristallisierten sich an drei Punkten heraus:

  • Viel Aufwand – wenig Nutzen
  • Abkehr von der Realität
  • Neue zusätzliche Datenquelle

Der Respekt vor diesen Risiken zeigt sich in der Bewertung möglicher Zukunftsszenarien. Der Einsatz der Methoden der Digitalen Fabrik wird industrieweit in 3-5 Jahren erwartet. Allerdings sieht ein großer Teil der Befragten die Anwendung in Stabsabteilungen und nicht im täglichen Geschäft. „Nur da, wo es Sinn macht, werden wir die Digitale Fabrik einsetzen“, so ein häufig genannter Kommentar. Der Nutzenbewertung wird also in Zukunft eine steigende Bedeutung zukommen.

Thematische Schwerpunkte
Um die Antworten im Detail zu verstehen, ist anhand des letzten Frageblocks eine Typologisierung der befragten Unternehmen vorgenommen worden. Wichtig waren Rückschlüsse auf die industriespezifischen Anwendungen der Digitalen Fabrik.

Fazit:
Die Digitale Fabrik ist in erster Linie ein Engineering Thema. Die Ergebnisse der Studie werden anlässlich des gleichnamigen Seminars am 15. November veröffentlicht. Den Fragebogen dazu können Sie jederzeit anfordern. Mitmachen lohnt sich!

erschienen in CIM Aktuell 11/2005

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