Innovation – Systematische Suche nach Veränderungen, die sich bereits ereignet haben

Dr. Götz Marczinski

„Innovation ist eine Managementdisziplin und deswegen erlernbar“, wer dieser These nicht folgen kann, sollte sich zurücklehnen und auf einen Geistesblitz warten. Mit Unternehmertum als Triebfeder im attraktiven Unternehmen hat das allerdings nichts zu tun. Es werden Chancen verschenkt!

Denn ein Unternehmer wartet nicht, bis ihn die „Muse küßt“, sondern er geht an die Arbeit. Und diese Arbeit heißt, nach Veränderungen zu suchen, die sich bereits ereignet haben. Und die Frage zu beantworten, welche der Veränderungen eine unternehmerische Chance bedeutet.

Die nützlichste Gliederung für ein entsprechendes Suchraster ist meiner Meinung nach bei P. Drucker (oder den ihn offen oder (unwissend?) zitierenden Autoren zu finden.

  1. Unerwartete Erfolge (oder Mißerfolge)
  2. Widersprüche zwischen der Realität und der Vorstellung darüber, wie sie sein müßte.
  3. Schwachstellen in Arbeitsabläufen und Bausteine idealisierter (oder gesetzl. geforderter) Prozeßketten
  4. Veränderungen in der Industrie- oder Marktstruktur
  5. Demographie
  6. Wertewandel und Modeströmungen bzw. Trends
  7. Neue wissenschaftliche Erkenntnisse

Die Indikatoren sind nicht klar gegeneinander abgegrenzt. Jeder für sich kennzeichnet Symptome, deren sorgfältige Diagnose jeweils unternehmerische Chancen erschließen kann. Dabei ist entgegen der öffentlichen Meinung nicht „High Tech“ (neue wissenschaftliche Erkenntnisse) die Goldgrube, sondern vergleichsweise banale Veränderungen bieten die größten Erfolgspotentiale. Diese sind außerdem vergleichsweise risikolos zu analysieren, und die sich daraus ergebenden Chancen vergleichsweise kurzfristig zu erschließen.

Daß Veränderungen längst stattgefunden haben, bevor eine Geschäftschance darin erkannt wird, zeigt der ???. Personal Computer mit dem dazugehörigen Kabelsalat waren längst in jedem Büro, bevor die „zündende“ Idee für ein neues Möbel kam. Die Qualität der Innovation belegt die Aussage „darauf hätte ich auch kommen können!“

 

Wie betreibt man Innovation?
Der erste Schritt ist das Durchdenken der Quellen der Innovation. Ein Beispiel für einen unerwarteten Erfolg ist die Werkstoffdatenbank von CIMSOURCE. Obwohl wegen des fehlenden Inch-Spektrums die USA kein Zielmarkt war, sind aufgrund der internen Werkstoffdatenbank doch Lizenzen verkauft worden. Denn diese Datenbank mit über 750 Werkstoffen erlaubt die Überkreuz-Referenzierung unterschiedlicher nationaler Normen. Für die CIM GmbH stellt sich die Frage: „Soll die Datenbank gesondert vermarktet werden?“

 

Im zweiten Schritt wird die Innovation bewußt aus Kundensicht betrachtet. Denn Innovation hat wesentlich mit Wahrnehmung zu tun. Eine konzeptionell brillante Idee mit der sachgerechten Umsetzung reicht nicht aus, wenn die Leute, die sie nutzen sollten, dies offensichtlich nicht wollen. Die Zielgruppe muß sich angesprochen fühlen.

In enger Wechselwirkung mit der kundenorientierten Sichtweise ist im dritten Schritt folgerichtig jede Innovation klar zu fokussieren. Was genau muß die Innovation tun? Nur wenn ein klarer Zweck, eine klare Anwendung definiert ist, ist der Erfolg wahrscheinlich.

Daraus folgt im vierten Schritt, daß man klein anfängt, nicht grandios. Ein Zweck zur Zeit, auf fokussierte Kundengruppen gerichtet. Das schont gleichzeitig die knappen Mittel. Jedoch muß trotz der klar fokussierten Vorgehensweise die Zielsetzung ehrgeizig sein. Denn sonst wird nichts wirklich Neues erreicht.

Voraussetzung für Innovation
Drei notwendige Bedingungen bestehen für erfolgreiche Innovationen:

  1. Innovation ist bis auf wenige Glückstreffer harte Arbeit, deswegen muß auf den eigenen Stärken aufgebaut werden.
  2. Innovationen brauchen ein Fantasieelement, den „Temperamental“-Fit. Die Innovation muß den eigenen Leuten wichtig sein und Sinn machen.
  3. Innovation ist Veränderung, deswegen müssen marktfokussierte Freiräume da sein.

Was das junge Unternehmen an Liquiditätssorgen hat, ist für das bestehende Unternehmen das Hindernis namens „Erfolg“. Mit organisatorischen Maßnahmen ist die Tendenz zu überwinden, aus bestehenden Lösungen noch mehr rauszuholen bzw. diese noch weiter zu verfeinern, anstatt wirklich nach vorne zu schauen. Welche das sind, erfahren Sie demnächst an dieser Stelle oder direkt bei der CIM in Aachen.

erschienen in CIMAktuell, Mai 1999