Integrativer Ansatz bündelt das Know-how

Dr. Götz Marczinski, CIM Aachen GmbH

Die Diskussion um die sachgerechte Bereitstellung von 3D-Werkzeugmodellen gibt es seit über 10 Jahren. Und noch viel länger gibt es 3D-Werkzeugdaten. Doch so richtig zufrieden scheint keiner zu sein. Denn die Ansprüche steigen ständig und vor allem schneller als die Qualität der Lösungsangebote.

Problematisch für eine allseits zufriedenstellende Lösung ist, dass die Werkzeugmodelle in der Vergangenheit vielfach zweckgebunden modelliert worden sind. Als Antwort auf spezielle Anforderungen bestimmter Kunden sind beispielsweise Werkzeugmodelle erstellt worden, um Kollisionsuntersuchungen in der Spannplanung durchzuführen. Diese Modelle eignen sich wegen fehlender "Cut-NoCut"-Geometrien nicht für die NC-Ablaufsimulation.

Einige interessante Dienstleistungsangebote verlieren an Attraktivität, weil diese nicht mit existierenden Modelldatenbanken kombinierbar sind. Denn fast jeder NC-Anwender hat sich "für den Hausgebrauch" selbst Modelle erstellt, die auch weiterhin genutzt werden sollen. Daraus erwächst die Forderung, den eigenen Modellbestand mit extern bereitgestellten Modellen kombinieren zu können. Diese Forderung wird derzeit nur ansatzweise erfüllt.

Stichwort Datenbanken: Weil der Modellaufbau vielfach losgelöst von bestehenden Werkzeugdatenbanken erfolgt ist, sind redundante Tätigkeiten zur Datenpflege notwendig. Die Sachmerkmale für Katalogerstellung und Einkaufsplattformen werden meistens nur um ein 3D Modell als zusätzlichen Datensatz ergänzt. Die Sachmerkmale und die Geometrie des 3D Modells sind jetzt manuell konsistent zu halten.

Universelle 3D Modelle
Eine nachhaltige Verbesserung der Versorgungslage mit 3D Werkzeugmodellen verspricht nur ein integrativer Ansatz. Integrativ heißt einerseits, Interessen von Werkzeuganwendern zu bündeln, um mit konsistenten Anforderungen die Servicemöglichkeiten der Werkzeughersteller zu verbessern. Integrativ heißt andererseits, die Werkzeughersteller zusammenzuführen und bestehende Initiativen wie den GTDE Verein "ins Boot" zu holen, um die Forderung nach Daten mit minimalem Aufwand zu erfüllen. Integrativ heißt schließlich, bestehende Beschreibungsstandards und Normen abgestimmt zu nutzen.

Der CIMSOURCE 3D Katalog basiert genau auf diesem integrativen Ansatz. Werkzeuggrafiken, die für die NC-Planung und -Simulation benötigt werden, werden genau wie die physischen Komplettwerkzeuge im Betrieb aus Komponenten konfiguriert.

Grenzen überwinden
Um universell einsetzbar zu sein, muß auch die Grenze "propietärer" CAD Systeme überwunden werden. Deswegen setzt CIMSOURCE auf einen Standardmodellierer, der die gängigen Austauschformate ohne weiteren Konvertierungsaufwand liefert.

Im Ergebnis stehen damit Modellierungswerkzeuge beziehungsweise Modelle mit folgenden Eigenschaften zur Verfügung:

  • Parametrische Werkzeugkomponenten mit Bezug zu Sachmerkmalen gemäß DIN 4000
  • 3D Konfiguration von Komplettwerkzeugen gemäß DIN 4003
  • Kompatibilität zu den Bereitstellmechanismen des GTDE-Servers
  • Universelle Verwendbarkeit in verschiedenen CAD/CAM-Systemen

Der beschriebene 3D Katalog ist in Zusammenarbeit mit der Exapt-Systemtechnik entstanden. Auf diese Weise ist sichergestellt, dass die Modellbibliothek tatsächlich den Anforderungen der NC-Fachleute gerecht wird. Für die seitens der Werkzeughersteller als Standardwerkzeuge angebotenen Werkzeuge (Katalogwerkzeuge) funktioniert die Lösung gut. Engpass bleiben in vielen Fällen die Werkzeugparameter gem. DIN 4000, die als Input zur Verfügung stehen müssen. CIMSOURCE hat die dazu notwendige Datenaufbereitung auf Basis moderner Methoden des Data-Minings teilautomatisiert. Die Datenqualität der Internetplattform ToolsUnited als Quelle für den 3D Katalog wird damit kontinuierlich gesteigert, so dass hier Entspannung zu erwarten ist.

Seitens der NC-Praktiker gefordert ist die Integration vorhandener Modellbibliotheken beziehungsweise individuell erstellter Modelle für Sonderwerkzeuge in die Systematik des 3D Katalogs. Dazu ist es gegebenenfalls notwendig, die vorhandenen Modelle mit den entsprechenden "Ankern" zu versehen, sie also "aufzumotzen" für die universelle Verwendung. Die hierfür notwendigen Algorithmen sind derzeit noch in der Entwicklung. Anläßlich der EMO 2011 im September in Hannover bietet sich eine gute Gelegenheit, diese und weitere Innovation rund um das Thema Werkzeug und Werkzeugdaten näher kennen zu lernen.

erschienen in special tooling, Mai 2011

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