Logistik von morgen – mit expertise gegen geilen Geiz

Dr. Götz Marczinski

„Gemeinsam stark“ – so könnte das Motto der expert AG lauten, wenn es um die entscheidenden Antworten des Mittelstands im Wettbewerb gegen aggressive Ketten geht. Ein Element dabei ist die effiziente Warenverteilung, die expert einschließlich der dazugehörigen Serviceleistungen zentral in Hannover-Langenhagen organisiert hat.

expert ist der Zusammenschluss von ca. 300 selbstständigen Elektrofachhändlern mit ca. 500 Fachgeschäften und Fachmärkten. Seit 1962 in Hannover-Langenhagen beheimatet, organisiert die Zentrale u. a. den Einkauf und die Warenversorgung der Fachhändler. Die angeschlossenen Händler sind Aktionäre der expert-Zentrale.

Dabei steigen die Anforderungen an die Logistik exponentiell: Der ständige Preisverfall erzwingt eine höhere Taktrate im Warenversand. Mehr Masse für den gleichen Umsatz, 25 % mehr Picks jedes Jahr ist die „übliche“ Steigerungsrate.

Im besonders schnelllebigen Segment der Datenträger (Musik, Film, Spiele, PC-Software) kommt dazu noch die Vielfalt an Verpackungsformaten. Das ist deswegen relevant, weil die Zentrale das Etikettieren und das Anbringen der Warensicherung für die angeschlossenen Händler übernimmt. Die automatisierten Auszeichnungslinien aus den Zeiten, da sich das Versandvolumen noch auf Tonträger beschränkte, sind dabei an Grenzen gestoßen. Mittlerweile entfallen 50 % auf DVDs und Software, die in unterschiedlichen Formaten verpackt sind.

Zweistufiges Projekt
Als Antwort auf die gestiegenen Anforderungen wurde bereits im Geschäftsjahr 2003/2004 die Ersatzinvestition in zwei neue Auszeichnungsanlagen für den Bereich Tonträger geplant.

Als spätere Ausbaustufe wurde eine Automatisierung der heute manuellen Arbeitsschritte zur Sortierung und Kommissionierung angedacht.

Die Auswahl der Auszeichnungsanlagen musste also in Hinblick auf die spätere Einbindung in den automatisierten Prozess erfolgen, um eine zweifache Investition in die Etikettierung zu vermeiden. So waren beide Ausbaustufen direkt im Projekt zu berücksichtigen:

  • Multiformatfähige Ersatzinvestition für die „CD-Linien“
  • Automatisierungskonzept zur Durchlaufzeitreduzierung und Steigerung der Personalproduktivität

Vorgehensweise
CIMAachen erhielt den Auftrag, in der ersten Phase des Projektes „Logistik von morgen“ die Machbarkeit einer Automatisierung zu prüfen und das Einsparpotenzial zu ermitteln.

Zunächst wurden die Mengengerüste und die heutigen Prozesse der Auftragsabwicklung für den Bereich Tonträger analysiert. Ein Soll-Ablauf mit einer Anlage zur automatischen Sortierung wurde skizziert, die den Umschlag für Schnelldreherartikel innerhalb von 24 h ohne Einlagerung ermöglicht.

Als Basis für die Investitionsentscheidung wurden der Materialfluss im Ist und Soll ermittelt, eine Raum- und Flächenplanung erstellt sowie die Einsparungen an Personalkosten bilanziert. Die Amortisationszeit der Anlage wurde auf Basis eines Richtangebotes des Hauslieferanten abgeschätzt.

Im nächsten Schritt wurde die Auszeichnungs- und Sortieranlage auch für weitere Anbieter ausgeschrieben. Die potenziellen Anbieter wurden durch die expert AG benannt bzw. in einer kurzen Marktanalyse durch CIMAachen ermittelt. Neben der darauf aufbauenden Angebotsanalyse wurden eine Bestimmung der Gesamtprozesskosten und eine Amortisationsrechnung durchgeführt. Abschließend wurde eine Sensitivitätsanalyse bzgl. variierender Stückzahlen und Mengenverhältnisse geprüft.

Praxiseinsatz
Mittlerweile hat sich die Anlage in der Praxis bewährt. Es werden täglich bis zu 45.000 Artikel ausgezeichnet, nach Händler (Lieferort) sortiert und versendet, dabei gelangen bis zu 70 % der Ware direkt vom Wareneingang in den Versand, der Rest stammt aus der Zwischenlagerung.

Zusätzlich werden an derselben Anlage ca. 10.000 Stück Retourenware täglich auf die gleiche Weise verarbeitet. Wie von CIMAachen berechnet, wird die Amortisation der Investition nach vier Jahren erwartet.

Fazit
Im Rahmen der bei expert üblichen täglichen Belieferung wird die Ware „auf den Punkt“ zum Veröffentlichungsdatum an die Händler der expert-Gruppe ausgeliefert. Durch die Leistungsfähigkeit der Sortieranlage stellen Auslieferspitzen kein Problem mehr dar. Auch im Umfeld des Softwarelagers (Paketversand, Retouren) konnten durch die Automatisierung viele Prozesse positiv verändert werden. Neue Werbekonzepte werden in den nächsten Monaten für eine erhöhte Auslastung der Maschine sorgen. Eine zweite Schicht ist geplant.

erschienen in CIM Aktuell, 01/2007