Marktüberblick: Was leisten MES-Systeme?

Thomas Pehl, Ingo Laqua

Manufaturing Execution Systeme (MES) schließen im Produktionsbetrieb die Lücke zwischen Produktionsplanung und Produktionsdatenerfassung. Das Leistungsspektrum dieser Systeme ist aber sehr unterschiedlich und beinhaltet häufig nicht die Funktionalitäten, die ein Unternehmen braucht. Ein Marktüberblick hilft, schwerwiegende Fehlentscheidungen zu vermeiden.

Der Markt für Manufacturing Execution-Systeme (MES) wächst kontinuierlich. Wachstumsraten von 20% p.a. mit einem erwartetem Volumen von 12,5 Mrd. $ in 2008 versprechen den Softwareanbietern profitable Geschäfte. Auch auf dem deutschen Markt, wo etwa 10% des Gesamtvolumens umgesetzt werden (Quelle: Boston Consulting Group).

Anforderungen an MES-Systeme
Doch was hat der Anwender davon? Der Anwender verspricht sich von MES-Systemen einen besseren Überblick über die Ist-Situation der Produktion, um daraus ableitend die Produktionsressourcen besser planen und die Produktivität steigern zu können. Kurz ein Hilfsmittel, um Herstellkosten nachhaltig zu reduzieren.

Ein Blick auf die am Markt vertretenen Systeme zeigt, dass viele Anbieter das Marktpotenzial durchaus erkannt haben und sogenannte MES-Systeme anbieten. Die zur Verfügung stehenden Funktionalitäten decken aber nicht immer die Anforderungen der Anwender.

MES-Funktionalitäten
Die Kernfunktionalitäten, die ein MES-System ausmachen, sind:

  • Umfassende Ist-Datenerfassung (Prozessdaten, Produktdaten, Maschinenstatistik etc.),
  • Prozesskontrolle und Datenanalyse (Statistische Prozesskontrolle, Abweichungs- und Trendanalysen etc.),
  • Feinplanung (Scheduling, Reihenfolgeplanung, Belegungsplanung etc.) und
  • Wartungsmanagement (vorbeugende Instandhaltung, Ausfallanalysen etc.)

Der planungsorientierte Ansatz
Bietet ein MES-System bspw. keine Ist-Datenerfassung, fehlen wesentliche Informationen, um gezielte Maßnahmen zur Produktivitätssteigerung einleiten zu können. In diese Kategorie fallen zum einen Systemanbieter, die ihren Schwerpunkt im Bereich des Enterprise Ressource Planning (ERP) und Advanced Planning and Scheduling (APS) haben und keine bzw. sehr beschränkte Möglichkeiten zur Produktionsdatenerfassung besitzen. Zum anderen sind hier kleinere Softwarehäuser vertreten, die keine vollständige Funktionspalette anbieten. Beispiele hierfür sind BIONIC TOOLS (Dr. Sander Associates Software GmbH), Syste Line (Frontstep GmbH) oder prophet 2 (OPTI-X-SOFT DV-Systeme GmbH).

Demgegenüber stehen ERP-Systeme mit vollständig integrierten MES-Lösungen wie bspw. pispenta (PSI AG) oder infor:com (infor business solution AG). Für Unternehmen, die über eine nachträgliche Einführung einer MES-standalone-Lösung nachdenken sind dies jedoch kaum Alternativen.

Der prozessorientierte Ansatz
Andere Anbieter kommen vom unteren Ende der IT-Hierarchie, von der Sensorik, Robotik und Maschinensteuerung. Hierzu gehören bspw. Proficy (GE Fanuc) oder SIMATIC IT Production Suite (Siemens). Diese Systeme haben ihre Stärke in der Ansteuerung von Maschinen und Anlagen, in der Produkt-/Prozessdatenerfassung und –auswertung. Demzufolge kommen solche Systeme häufig in kontinuierlichen Fertigungsprozessen zum Einsatz, die eine permanente Prozessüberwachung erforderlich machen (bspw. Pharma-, Glas-, Stahlindustrie).

In vielen Fällen kommt hier jedoch die Feinplanung zu kurz, d.h. die gewonnen Informationen aus dem Produktionsprozess können nicht oder nur umständlich von (separaten) ERP- oder APS-Systemen in die Planung übernommen werden, der gewünschte „Selbstlerneffekt“ bleibt aus.

Die „Allrounder“
Neben den Systemen mit eindeutigem Schwerpunkt gibt es die „Allrounder“, die i.d.R. die meisten erforderlichen Funktionalitäten anbieten und somit durchaus für eine standalone-Lösung geeignet sind. Beispiele hierfür sind MRM (ADICOM Informatik GmbH) oder cronet work (Industrie Informatik GmbH). Wie bei jedem „Allrounder“ findet jedoch nicht jeder Anwender eine Antwort auf seine spezifische Problemstellung.

Interessant kann für den Anwender aber auch die ein oder andere Branchenlösung sein, die von den Softwarehäusern angeboten wird. Aufgrund der sich dort stellenden Anforderungen, haben einige Anbieter ihre Software bspw. speziell auf die Lebensmittelindustrie (Produktgenealogie) oder die Zulieferindustrie (JIT/JIS) ausgerichtet.

Fazit
Es lohnt sich auf jeden Fall, sich von einem neutralen Kenner des Marktes beraten zu lassen. Fragen Sie uns!

erschienen in CIMAktuell, Januar 2005