Toolmanagement - Passende Komponenten zur rechten Zeit finden

von Dipl. - Wirt.- Ing. Markus Krüger

AACHEN (ba). Die Planung, Steuerung und Verwaltung von Werkzeugen und Betriebsmittel ist ein oft vernachlässigter Kostenfaktor. Maschinenstillstände wegen fehlender Werkzeuge oder falsch zugeordnete Werkzeuge nehmen in vielen Unternehmen eine Größenordnung an, die bei dem heutigen Produktivitätsdruck der Unternehmen nicht mehr hinzunehmen ist. Ein Toolmanagementsystem kann in vielen Fällen die Lösung für dieses Problem sein.

Dieses Einsparpotenzial erkannte auch die Geschäftsführung der AWS Achslagerwerk Staßfurt GmbH. Im Jahre 1995 wurde das ehemalige VEB-Unternehmen von den heutigen Eigentümern übernommen und seitdem vom reinen Bahnlieferanten zum flexiblem Zulieferer für die Automobil-, Bahn- und Windkraftindustrie umgewandelt. Inzwischen werden auf modernsten Produktionsanlagen mit 230 Mitarbeitern in zwei Werken und einer weiteren Tochterfirma hochflexibel Stückzahlen von 1- 150.000 p.a. zerspanend hergestellt. Die jährliche

Großer Maschinenpark, hohe Variantenvielfalt

Gesamtstückzahl von 2,5 Mio. Stück gliedert sich in 1.300 verschiedene Erzeugnisse, die eine durchschnittliche Losgröße von 35 haben. Eine Eigenschaft, die man hier und auch in vielen andere mittelständischen Unternehmen vorfindet, ist der umfangreiche und sehr heterogene Maschinenpark. Für insgesamt 60 Dreh- und Fräszentren (darunter vier flexible Fertigungssysteme mit 14 verketteten Bearbeitungszwentren) beträgt das jährliche Volumen an Werkzeugen und Werkzeugkomponenten ca. 800.000 bis 900.000 Euro. Eine deswegen in Auftrag gegebene Potenzialabschätzung, erarbeitet von den beteiligten Mitarbeitern und der Managementberatung CIMAachen, zeigte folgende, keineswegs untypische Potenziale:

  • Reduzierung der Werkzeugvielfalt um 20%
  • Senkung des Werkzeugumlaufbestandes um 30%
  • Reduzierung des Werkzeugverbrauchs 15%
  • Steigerung Anlagennutzung um 5%

Eine Besonderheit bei der AWS ist die teilegebundene Freigabe der Werkzeuge, die nicht geändert werden durfte und durch die die Möglichkeiten zur Reduzierung der Werkzeugvielfalt doch sehr stark eingeschränkt waren. Trotzdem ergab sich ein Po-tenzial von ca. 100.000 Euro p.a. durch die Reorganisation des Werkzeugkreislaufs. Das Austrocknen von heutigen Überbeständen führt zudem zu einem Einmaleffekt, der einen sehr attraktiven ROI zur Folge hatte. Das bedeutete, dass die Höhe des gemeinsam von AWS und CIMAachen bestimmten Potenzials bereits im ersten Jahr die Einführungs- und Anschaffungskosten eines TMS (Tool Management System) deutlich übertraf. "Obwohl wir immer wussten, dass trotz unseres hohen Werkzeugbestandes die Verfügbarkeit gering beziehungsweise. der Aufwand für das Suchen von den richtigen Komponenten groß war, haben wir nicht die eigentliche Höhe des Aufwandes abgeschätzt.", so Patrick Luig, Geschäftsführer der AWS Achslagerwerk Staßfurt.

Um diese Potenziale zu realisieren, musste die gesamte Prozesskette betrachtet werden. Hierbei handelt es sich um einen Kreislauf, der die Stationen Werkzeugauswahl, Beschaffung und Verwaltung, Lagerung sowie die Unterstützung des produktiven Einsatzes beinhaltet. Der produktive Einsatz wird bei der Werkzeugmontage, Werkzeugvoreinstellung und durch die Verwaltung von Informationen aus Nutzungsdaten und Erfahrungswerten vergangener Einsätze unterstützt. Die daraus resultierenden Anforderungen an das Toolmanagement sind gemeinsam mit den Mitarbeitern aus Produktion, AV und Einkauf in ein entsprechendes Lastenheft umgesetzt worden, bei dem das Refernzmodell der CIMAachen zu Grunde gelegt wurde.

Bei AWS fiel die Entscheidung auf den „Toolmanager“ der Firma Zoller. Gründe für die Wahl waren die optimale Unterstützung der skizzierten Prozesse sowie das daraus resultierende beste Preis-Leistungsverhältnis.

Gefragt waren Übersichtlichkeit und Benutzerfreundlichkeit

Von den Mitarbeitern wurde die Übersichtlichkeit und die Benutzerfreundlichkeit besonders lobend erwähnt. Dies sehr positive Bewertung war auch der Grundstein für die heutige sehr hohe Akzeptanz des „Toolmanager“ auf Werkerebene. Die Unterstützung aller Buchungsvorgänge durch Barcode ist ein weiterer Grund für die hohe Akzeptanz in der Belegschaft. Die Citrixfähigkeit des „Toolmanager“ macht es zudem möglich mit wenig Aufwand die weiteren Standorte an das System anzugliedern.
Im Laufe der Einführung wurde den Mitarbeitern der AWS zunehmend deutlich, dass Toolmanagement deutlich mehr bedeutet, als ein DV-System zu kaufen und zu benutzen. Der Nutzen durch die Umstellung von Arbeitsabläufen und die Einführung des Systems ist immens und zeigt, dass es durchaus sinnvoll ist, auch vermeintliche Nebenkriegsschauplätze der Produktion zu beleuchten.

Die Umstellung

Vorher:

  • Fehlender Überblick über den Werkzeugbestand durch dezentrale Lagerung der Werkzeuge an den Maschinen.
  • Dezentrale und unkontrollierte Bestellanforderungen von verschiedenen Mitarbeitern.
  • Fehlende Verantwortung für Lagerbestände.
  • Gleiche Sonderwerkzeuge je Werk
  • Fehlende Übersicht über Werkzeugnutzung.
  • Dezentrale Bestellung von Werkzeugkomponenten.

Nachher:

  • Transparente Übersicht über Lagerungsorte und Bestand der Werkzeuge.
  • Lagerverwaltung und Bestellanforderungen über Mitarbeiter.
  • Austausch nicht benötigter Sonderwerkzeuge.
  • Auswertung über nicht benötigte Werkzeuge, daraus resultierend: Möglichkeit des Abverkaufs.
  • Gebündelte Werkzeugbestellungen reduzieren Prozesskosten

erschienen in Produktion Nr. 25/26, 2005

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