PLM - ein Unternehmen „blickt durch"

Product Lifecycle Management bei einem Werkzeuganbieter

PLM - Product Lifecycle Management - ist zurzeit in aller Munde. Die Verfügbarkeit von produktdefinierenden und -beschreibenden Daten ist für die Effizienz von Entwicklungsprozessen von entscheidender Bedeutung. IT (Informationstechnologie)-Insellösungen können hier aufgrund des hohen Wartungs- und Pflegeaufwands sowie der enormen Mehrfacherfassung dem Unternehmen viel Geld kosten. Das Praxisbeispiel zeigt, wie der Werkzeuganbieter Mapal es geschafft hat, mit der Einführung eines Klassifizierungs- und Dokumentenverwaltungssystems ein einheitliches technisches Informationssystem aufzubauen.

PLM bedeutet die konsistente Verwaltung aller Daten und Prozesse, die bei der Produktentstehung über den gesamten Produktlebenszyklus generiert, benötigt und weitergeleitet werden müssen. Allen methodischen Fortschritten der Organisationslehre zum Trotz: Mehr oder weniger starres Abteilungsdenken ist auch heute noch eher die Regel als die Ausnahme. Ein Sympton für die hohe Arbeitsteiligkeit in den Arbeitsabläufen und die mangelnde Synchronisation zwischen den Abteilungen ist die Tatsache, dass jede Abteilung mit einer eigenen Datenhaltung arbeitet.

Insbesondere im Prozess der Produktentwicklung werden Daten mehrfach gehalten - im ERP (Enterprise Resource Planning)-System, im CAD-System, im System des Angebotswesens oder auf „eigengestrickten" Excel-Listen am eigenen Arbeitsplatz. Dies verhindert die rechtzeitige und fehlerfreie Verfügbarkeit von Daten innerhalb der Auftragsabwicklung. Ein wichtiger Erfolgsfaktor für die Verbesserung der Wettbewerbsfähigkeit im Unternehmen liegt damit brach.

EDM beim Werkzeug-Spezialisten
Dies erkannte auch Mapal Präzisionswerkzeuge, Aalen (www.mapal.de), und entschloss sich, konsequent alle relevanten Daten unter der Kontrolle eines
EDM (Engineering Data Management) -Systems zu erzeugen, zu speichern und zu verteilen. Die Mapal-Gruppe mit weltweit mehr als 2300 Mitarbeitern ist spezialisiert auf Werkzeuge für die Bearbeitung kubischer Teile. Ausgehend davon bietet das Unternehmen das komplette Werkzeug-Know-how zur Bearbeitung von Bohrungen an. Das Produktspektrum reicht von leistungsfähigen Standardwerkzeugen bis zu komplexen Sonderwerkzeugen, Bild 1. Die reaktionsschnelle Erarbeitung von speziellen Problemlösungen ist ein wichtiges Differenzierungsmerkmal für den Werkzeug-Spezialisten.

Wie ernst es Mapal mit der Umsetzung war, erkennt man an der Tatsache, dass eigens hierfür die Position eines „Projektleiters EDM" geschaffen wurde. Unterstützt vom Beratungsunternehmen CIMAachen standen folgende Ziele im Vordergrund:

  • Wiederholteilsuche durch den Einsatz eines Klassifizierungssystems verbessern,
  • Administrationsaufwand im Produktentwicklungsprozess senken,
  • Konstruktion mit Hilfe einheitlicher und durchgängiger Verwaltungs- und Organisationswerkzeuge entlasten,
  • Durchlaufzeiten über die bedarfsgerechte Bereitstellung aller Dokumente verkürzen,
  • Marktvorteile durch das Bereitstellen von bedarfsgerechter Kundendokumentation schaffen sowie
  • ein verbesserter Änderungsdienst.

Umsetzung im SAP-System
Schnell wurde erkannt, dass man mit SAP eine gute Grundlage zur Umsetzung im Haus hatte. Aufbauend auf der Erfahrung im Bereich der Produktstrukturierung, der Erstellung von Sachmerkmalleisten und des Aufbaus medienneutraler Produktdatenbanken unterstützte CIMAachen den Werkzeuganbieter bei der Einteilung der Produkte in logische Klassen sowie deren beschreibende Merkmale, Bild 2.

Überschneidend wurde die Dokumentenverwaltung umgesetzt. Auch hier galt es, Dokumentarten, Statusnetze und Merkmale zu definieren, die den unterschiedlichen Sichtweisen der Bereiche Vertrieb, Konstruktion und Produktion gerecht werden. Der Entstehungsprozess eines Dokuments von der Anlage bis zur Freigabe lässt sich nun mit Hilfe von Statusnetzen übersichtlich verfolgen. Um den Vorteil einer integrierten Dokumentenverwaltung auch für Nicht-CAD-Anwender zu nutzen, werden die Dokumente zusätzlich zu ihrem Nativ-Format auch in Neutralformaten zur Verfügung gestellt. Somit ist ein Rückgriff auf eine konsistente Datenhaltung von allen Abteilungen möglich. Über Verknüpfungen lassen sich in einer Darstellung ähnlich dem Windows-Explorer die Zusammenhänge zwischen den Objekten erkennen. Egal ob über ein Material oder über eine vorhandene Zeichnung eingestiegen wird, die Zusammenhänge sind für alle Mitarbeiter ersichtlich.

Weiteres Vorgehen
In einem weiteren Schritt werden die CAD-Systeme in die PLM-Lösung integriert. Während sich der Werkzeug-Spezialist im 3D-Bereich für eine „mysap PLM"-Direktschnittstelle entschieden hat, wurde im 2D-Bereich keine Schnittstelle mit einem akzeptablen Preis -/Leistungsverhältnis gefunden. So arbeitet das Unternehmen im 2D-Bereich vorerst mit einer selbstprogrammierten Lösung - nicht Hightech, aber preiswert und praktikabel.

Autor:

Dipl.-Ing. Friedrich Hüppe ist Projektingenieur bei der CIM GmbH in Aachen, Informations- und Produktionsmanagement.

erschienen in VDI-Z 146 (2004), Nr. 4 – April