Product Lifecycle Management - ein Unternehmen blickt durch

Friedrich Hüppe


Hand aufs Herz, sind Ihre Daten und Prozesse zur Produktentwicklung integriert? Oder über alle Abteilungen verstreut? Das Zauberwort hier heißt EDM und bedeutet die konsistente Verwaltung aller Daten und Prozesse, die bei der Produktentstehung über den gesamten Produktlebenszyklus generiert, benötigt und weitergeleitet werden müssen.

Allen methodischen Fortschritten der Organisationslehre zum Trotz: Mehr oder weniger starres Abteilungsdenken ist auch heute noch eher die Regel als die Ausnahme. Ein Symptom für die hohe Arbeitsteiligkeit in den Arbeitsabläufen und die mangelnde Synchronisation zwischen den Abteilungen ist die Tatsache, dass jede Abteilung mit einer eigenen Datenhaltung arbeitet.

Insbesondere im Prozess der Produktentwicklung werden Daten mehrfach gehalten - im ERP-System, im CAD-System, im System des Angebotswesens oder auf selbst gestrickten Excel-Listen am eigenen Arbeitsplatz. Dies verhindert die rechtzeitige und fehlerfreie Verfügbarkeit von Daten innerhalb der Auftragsabwicklung. Ein wichtiger Erfolgsfaktor für die Verbesserung der Wettbewerbsfähigkeit im Unternehmen liegt brach.

EDM bei Mapal
Dies erkannte auch die MAPAL Fabrik für Präzisionswerkzeuge Dr. Kress KG und entschloss sich schon vor anderthalb Jahren konsequent, alle relevanten Daten unter der Kontrolle eines EDM-Systems zu erzeugen, zu speichern und zu verteilen. Die MAPAL Gruppe mit weltweit mehr als 2300 Mitarbeitern ist spezialisiert auf Werkzeuge für die Bearbeitung kubischer Teile. Ausgehend davon bietet MAPAL das komplette Werkzeug-Know-how zur Bearbeitung von Bohrungen an. Das Produktspektrum reicht von leistungsfähigen Standardwerkzeugen bis zu komplexen Sonderwerkzeugen. Die reaktionsschnelle Erarbeitung von speziellen Problemlösungen ist ein wesentliches Differenzierungsmerkmal für MAPAL.

Projektdefinition mit der CIM
Wie ernst es MAPAL deswegen mit der Umsetzung war, erkennt man an der Tatsache, dass eigens hierfür die Position eines Projektleiters EDM geschaffen wurde. Unterstützt von der CIM GmbH standen folgende Ziele im Vordergrund:

  • Verbesserung der Wiederholteilsuche durch Einsatz eines Klassifizierungssystems,
  • Senkung der Administrationsaufwände im Produktentwicklungsprozess,
  • Entlastung der Konstruktion durch einheitliche und durchgängige Verwaltungs- und Organisationswerkzeuge,
  • Reduzierung der Durchlaufzeiten durch bedarfsgerechte Bereitstellung aller Dokumente,
  • Schaffen von Marktvorteilen durch die Bereitstellung von bedarfsgerechter Kundendokumentation,
  • Verbesserter Änderungsdienst.
  • Umsetzung im SAP-System
    Schnell wurde erkannt, dass man mit SAP eine sehr gute Grundlage zur Umsetzung im Haus hatte. Aufbauend auf der Erfahrung im Bereich der Produktstrukturierung, der Erstellung von Sachmerkmalleisten und des Aufbaus medienneutraler Produktdatenbanken
    unterstützte die CIM GmbH MAPAL bei der Einteilung der Produkte in logische Klassen sowie deren beschreibende Merkmale. Parallel dazu wurde die Dokumentenverwaltung umgesetzt. Auch hier mussten Dokumentarten, Statusnetze und Merkmale definiert werden, die den unterschiedlichen Sichtweisen der Bereiche Vertrieb, Konstruktion und Produktion gerecht werden. Die Abbildung des Entstehungsprozesses eines Dokuments von der Anlage bis hin zur Freigabe ist nun mit Hilfe von Statusnetzen übersichtlich zu verfolgen. Um den Vorteil einer integrierten Dokumentenverwaltung auch für nicht CAD-Anwender zu nutzen, werden die Dokumente zusätzlich zu ihrem Nativ-Format auch in Neutralformaten zur Verfügung gestellt. Somit ist ein Rückgriff auf eine konsistente Datenhaltung von allen Abteilungen aus möglich. Über Verknüpfungen lassen sich in einer Darstellung ähnlich dem Explorer die Zusammenhänge zwischen den Objekten erkennen. Egal ob man über ein Material oder über eine vorhandene Zeichnung einsteigt, die Zusammenhänge sind für alle Mitarbeiter ersichtlich.

    Weiteres Vorgehen
    In einem weiteren Schritt werden jetzt die CAD-Systeme in die EDM-Lösung integriert. Während man sich im 3D-Bereich für eine mysap PLM Direktschnittstelle entschieden hat, wurde im 2D-Bereich keine Schnittstelle mit einem akzeptablen Preis-/Leistungsverhältnis gefunden. So wird man im 2D-Bereich vorerst mit einer selbst programmierten Lösung leben. Nicht elegant, aber preiswert und praktikabel.

     

    erschienen in CIMAktuell, November 2003

    Cookies und externe Dienste erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Webseite erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir diese Dienste verwenden. Weitere Informationen dazu finden Sie in unserer Datenschutzerklärung.