Produktionscontrolling - Grundlage für spezifische Entlohnungs- und Arbeitszeitmodelle

Ingo Laqua

Flexible Arbeitszeit- und Entlohnungsmodelle sind ein zentrales Element zum Erhalt der Wettbewerbsfähigkeit. Basierend auf tariflichen Rahmenbedingungen und Kennzahlen des Produktions-controllings sind praktikable Modelle unternehmensspezifisch zu entwickeln und anzuwenden. Wenn man heutzutage von Kundenorientierung spricht und diese auch aktiv lebt, hat dies weitreichende Konsequenzen auf die gesamte Organisation.

Die Einhaltung von Kundenwunschterminen heißt, den Kunden zu dem Zeitpunkt zu beliefern, an dem er das Produkt gerne hätte. Um dies durchgängig gewährleisten zu können, gilt es auch, saisonale oder konjunkturelle Schwankungen ausgleichen zu können. Vereinfacht ausgedrückt heißt das: ARBEITEN, WENN ARBEIT DA IST.

Starre Arbeitszeiten können diese Schwankungen nicht auffangen. Bei hohem Arbeitsaufkommen fallen teure Überstundenzuschläge an, bei Unterbeschäftigung „sitzen“ die Mitarbeiter ihre tariflich und vertraglich vereinbarte Arbeitszeit ab.

Das betriebliche Umfeld ist deswegen derart zu gestalten, daß die Mitarbeiter unternehmerisch denken und am Erfolg des Unternehmens teilhaben. Dies gelingt jedoch meistens nur, wenn auch der (finanzielle) Anreiz dazu geschaffen wird. Eine Entlohnung, die das Arbeitsaufkommen berücksichtigt und den Mitarbeiter am Unternehmenserfolg beteiligt, ist ein geeignetes Mittel hierzu.

Mit Hilfe des durchdachten Produktionscontrollings kann dieser Erfolg quantifiziert werden. Kennzahlen wie Produktivität, Bestände, Termintreue und Kosten sind dabei die Meßgrößen, an denen sich eine Produktion messen lassen muß. Allerdings ist nicht jede Kennzahl ausschließlich von der Produktion beeinflußbar. Je nach Autonomiegrad der einzelnen Fertigungssegmente sind auch indirekte Bereiche wie AV und Materialdisposition über das Produktionscontrolling zu bewerten.

Ein zielkonvergentes Kennzahlensystem, das die wesentlichen Bewertungskriterien des gesamten Produktionsprozesses beinhaltet und die verantwortlichen Mitarbeiter an ihren Leistungen mißt, ist somit die Voraussetzung zur Förderung des unternehmerischen Denkens. Eine an diesen Kennzahlen orientierte Prämienentlohnung mit dem darauf abgestimmten flexiblen Arbeitszeitmodell sind eine Möglichkeit, dieses Ziel zu erreichen.

Hierfür müssen die Mitarbeiter die entsprechenden Kennzahlen nachvollziehen und beeinflussen können. Nur so werden sie diese akzeptieren und sich an ihnen orientieren. Unterschiedliche hierarchische Ebenen erfordern damit unterschiedliche Kennzahlen.

Gleichzeitig müssen diese Kennzahlen derart (nach oben) verdichtet werden, daß sie den Nettoerfolg des Unternehmens abbilden. Ist beispielsweise die Produktivität eines Segmentes ausgesprochen gut, die Fertigteile werden jedoch nicht nachgefragt, müssen die Kennzahlen diesen Tatbestand aufzeigen. Bewährt hat sich hier eine zweistufige Kennzahlenhierarchie: Zunächst wird über den Nettoerfolg die Prämiengesamtsumme (absolut) bestimmt. Die detaillierten Kennzahlen dienen dann nur noch zur Relativverteilung auf die operativen Segmente. Dieser Sachverhalt ist jedem Mitarbeiter sorgfältig zu vermitteln.

Um die geforderte Kundenorientierung auch ergebniswirksam praktizieren zu können, ist ein solches Kennzahlensystem mit entsprechender Prämienentlohnung dann mit einer flexiblen Arbeitszeitgestaltung zu verknüpfen.

Der erste Schritt in diese Richtung erfolgt bereits beim konsequenten Einsatz der Mitarbeiterproduktivität, die sich z.B. als

definiert. Ist keine Arbeit vorhanden, können auch keine Gutstücke produziert werden. Die Anwesenheitszeit im Nenner bleibt jedoch erhalten, so daß die Produktivität des Mitarbeiters und somit der Prämienlohn sinkt. Der Mitarbeiter wird also ein Interesse daran haben, bei nicht vorhandener Arbeit nach Hause zu gehen. Seitens der Unternehmensleitung muß ihm jedoch hierzu die Möglichkeit gegeben werden. Autonomie heißt auch, den Mitarbeiter loszulassen, damit er sich innerhalb eines definierten Zeitkontos bewegen kann.

Im Arbeitskreis „Produktionscontrolling als Basis unternehmerischen Erfolges” werden diese Themen derzeit ausführlich bearbeitet. Aufgrund des großen Erfolges im letzten Jahr veranstaltet die CIM GmbH auch dieses Jahr ein Seminar „Produktionscontrolling“, in dem auch die Themenschwerpunkte Prämienentlohnung und Arbeitszeitgestaltung diskutiert werden.

erschienen in CIMAktuell, Mai 1998