SAP in der Praxis - PP und QM schlank umgesetzt

Dr. Götz Marczinski


SAP - muss das sein? Wir sind doch hier im Mittelstand. Doch was bleibt einem übrig, wenn die Konzernmutter das so will. Mit der genauen Kenntnis der Unternehmensprozesse gepaart mit dem notwendigen SAP-Sachverstand wird diese Skepsis in Produktivität verwandelt

Wie viel ist für die angestrebte Prozessverbesserung notwendig?" So die Kernfrage der CIM GmbH, als es um die SAP-Einführung bei einem konzerngebundenen Mittelständler ging. In welchem Umfang können die Module PP und QM von mySAP zur Unterstützung der Geschäftsprozesse herangezogen werden? Der Review und die organisatorische Optimierung der Geschäftsprozesse waren bereits im Vorprojekt erfolgt. Denn die Komplexität von Informations- und Materialfluss würde sich sonst unweigerlich in SAP wiederfinden.

„Lean" SAP - weniger ist manchmal mehr
Aus der Schwachstellenanalyse und den Erfahrungen vergleichbarer Projekte der CIM GmbH wurde zunächst eine „Lean Variante" des Moduls PP erarbeitet. Die Lösung war recht einfach gehalten. U.a. wurde der gesamte Fertigungsprozess in SAP durchgängig abgebildet, Artikelstrukturen neu angelegt, Standardarbeitspläne an den Fertigungsaufträgen angefügt, die Buchungen an den Ort des Entstehens gebracht, Mitarbeiter geschult und die Insellösungen nach und nach abgeschafft. Mit lediglich vier Fertigungsaufträgen wird der gesamte, komplexe Prozess in SAP abgebildet. Auf Funktionen wie z.B. Kostenermittlung, Kapazitätsplanung u.a. wurde im Rahmen der „Lean Variante" verzichtet.

Ein besonderer Knackpunkt war die Abbildung eines „Zerlegeprozesses" in SAP, insbesondere weil das führende Material durchaus nicht entstanden sein muss. SAP lässt aber lieber aus mehreren Bauteilen ein Erzeugnis entstehen, als den
umgekehrten Weg zu gehen. Die Lösung war eine sogenannte +/- -Stückliste (Anm.: Buchungstechnisch werden nur Warenausgänge gebucht) und als führendes Material wurde ein Dummy-Material angelegt, welches keine Bewegungsdaten erzeugt. Nennenswerte Vorteile sind damit erreicht worden, wie

  • die geringere Komplexität der Prozesse
  • die geringeren Einführungskosten
  • der geringere Schulungsaufwand. Der straffe Zeitplan wurde eingehalten.

SAP und QM - immer noch glücklich?
Der zweite Schritt war nun, mit Hilfe des Moduls QM ebenso durchgängig die Qualität gemäß einer internen Spezifikation aller am Prozess eingehenden und entstehenden Einsatzmaterialien sicherzustellen und Ergebnisse der mühsam erarbeiteten ISO-Zertifizierung zum Teil des Tagesgeschäfts zu machen. Wiederum wurde die SAP-QM „lean" durch Verifizierung der jeweiligen Notwendigkeit definiert.

Das Konzept sieht in den ersten Prozessschritten eine Wareneingangsprüfung aus der Produktion vor und im letzten Prozessschritt eine fertigungsbegleitenden Prüfung. Die fertigungsbegleitende Prüfung erwies sich anfänglich als Knackpunkt. Denn die elegantere Lösung, den sogenannten vorgezogenen Wareneingang aus der Produktion, der bereits bei der Eröffnung des Fertigungsauftrags das Prüflos erzeugt, ist erst ab Release 4.5 möglich. Ein Downgrade ist zwar möglich, bedeutet aber erneuten Aufwand für den Kunden.

Die umgesetzte Lösung ist wiederum recht einfach. Beim Anlegen des Fertigungsauftrags wird ein Standardarbeitsplan herangezogen. Der Prüfplan wird ebenfalls als einer von mehreren Varianten hinterlegter Standardarbeitspläne, als parallele Folge eingefügt. Bei der Freigabe erfolgt nun die Terminierung und die Prüfloseröffnung des Fertigungsauftrags. Damit werden mehrere Varianten der Prüfplanung im System verwaltet, die je nach verfügbarer Kapazität zur Verfügung stehen.

Zur Zeit leistet die CIM GmbH die Einführungsunterstützung in der Abschlussphase dieses Projekts. Denn erfahrungsgemäß treten nach der Einführung eines neuen ERP-Systems oder einzelner Module viele kleine Probleme auf, die jedes für sich genommen zwar unkritisch sind, in Summe die Effizienz aber behindern und den notorischen Bedenkenträgern und Gegnern einer geänderten Aufgabenteilung Auftrieb verleihen.

SAP - dein Freund und Helfer
Um die anfänglich gegenüber SAP sehr skeptische Haltung in eine positive zu wandeln, war flankierende Aufklärungsarbeit notwendig. Schulungen und Aufklärungen beseitigten dabei die Ablehnung, die durch mangelnde Kenntnis des Systems und die damit verbundene Angst, SAP nicht bedienen zu können, entstanden waren.

 

 

erschienen in CIMAktuell, November 2001

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