Tool Management aus der Sicht eines Herstellers von Einstell- und Messgeräten

Interview CIMAachen mit Eberhard Zoller, Geschäftsführer der Zoller GmbH & Co. KG

Die Zoller GmbH & Co. KG ist als Marktführer bei Einstell- und Messgeräten für ihre herausragende Innovationsfähigkeit bekannt. Offensichtlich gelingt es durch die konsequente Kundenorientierung, Bedürfnisse der Kunden früh zu erkennen und in entsprechende Angebote umzusetzen. Deswegen ist es für uns interessant zu erfahren, wie der Markt für Tool Management Systeme gesehen wird.

CIMAachen: Herr Zoller, wir kennen Ihr Unternehmen als Marktführer bei Einstell- und Messgeräten. Welche Rolle spielt Software dabei?

Zoller: Software hat in unseren Geräten immer eine große Rolle gespielt. Zunächst für die direkten Produkteigenschaften, wie die Bildverarbeitung etc. Dann aber auch, um dem Anwender den Umgang mit unseren Geräten zu vereinfachen.

CIMAachen: Was heißt es, den Einsatz des Geräts zu vereinfachen?

Zoller: Einfache Bedienung heißt sichere Bedienung, mit einfachen Mitteln, mit wenig Aufwand zum richtigen Messergebnis zu kommen. Genauso wichtig aber ist es, dafür Sorge zu tragen, dass unser Kunde das optimale Nutzenpotenzial unserer Einstell- und Messgeräte voll ausschöpft.

CIMAachen: Was ist das Nutzenpotenzial?

Zoller: Kurz gesagt geht es für den Kunden darum, Hauptzeitanteile zu maximie-ren, Stillstände und unproduktive Zeiten zu minimieren. Nebentätigkeiten, und dazu gehört das Einstellen und Messen von Werkzeugen, sind hauptzeitparallel durchzuführen. Und damit das klappt, ist die Verfügbarkeit der benötigten Werkzeuge sicherzustellen.

CIMAachen: Ist das nicht die Aufgabe des Tool Managements?

Zoller: Richtig. Deswegen bieten wir neben Schnittstellen zu allen marktgängigen Systemen mit unserem ToolManager auch die entsprechende Funktionalität an.

CIMAachen: Also gehört zum ZOLLER Einstell- und Messgerät auch ein Tool Management System?

Zoller: Wer moderne CNC-Maschinen betreibt, braucht ein NC-Programmiersystem. Wer seine CNC-Maschine produktiv betreiben will und/oder spezielle Anforderungen an die Genauigkeit hat, braucht ein ZOLLER Einstell- und Messgerät. Erst dann kommt ein Tool Management System in Betracht, sofern es für die Orga­nisation des Werkzeugkreislaufs Sinn macht.

CIMAachen: Wann macht ein Tool Management System Sinn?

Zoller: Hier kommt es auf die Komplexität der zu lösenden Aufgaben an. Zunächst ist diese durch die Art des Fertigungsbetriebs bestimmt. Handelt es sich um einen Betrieb mit wenigen CNC-Maschinen (1-5), geht es um größere Zerspanung (mehr als 5 CNC-Maschinen) oder sprechen wir von einem Fertigungsverbund mit mehreren Standorten? Die Komplexität des Tool Managements ist dann natürlich durch die Vielfalt und Menge der eingesetz­ten Werkzeuge getrieben.

CIMAachen: Was folgt daraus?

Zoller: Bei wenigen CNC-Maschinen im Werkstattbetrieb ist meistens das NC-Programmiersystem das führende System für die Werkzeugverwaltung. Das Zusammenspiel mit dem Einstell-und Messgerät auf der Basis von Komplettwerkzeugen ist wichtig. Die dynamische Lagerverwaltung ist deswegen weniger wichtig, weil die Werkstatt mit maschinennaher Werkzeuglagerung durch „scharfes Hinsehen" zu führen ist.
Bei zunehmender Anzahl von CNC-Maschinen wird die Fertigung unübersichtlicher, und die Aufgabenteilung von Werkzeugaufbereitung und -bereitstellung vom eigentlichen Maschinenbetrieb ist vorteilhaft. Hier liegt der „klassische" Einsatzfall eines Tool Management Systems, wie auch wir es mit dem Zoller ToolManager anbieten.
Im Produktionsverbund mehrerer Standorte gilt werksspezifisch zunächst das oben Gesagte. Zur Beherrschung der Werkzeugvielfalt ist aber die konzertierte Werkzeugverwaltung über eine gemeinsame Datenbank sinnvoll, insbesondere um die Brücke zwischen dezentralen Werken und zentralisiertem Einkauf und ggf. auch der Produktentwicklung zu schlagen.

CIMAachen: Also ist nur für Fertigungsbetriebe mit mehr als 5 CNC-Maschinen ein Tool Management System relevant?

Zoller: So war meine Antwort nicht zu verstehen. Tool Management Software kann durchaus in allen drei Fällen sinnvoll eingesetzt werden, wobei der Schwerpunkt der Einsatzfälle heute verfügbarer Tool Management Systeme bei den größeren Fertigungsbetrieben liegt. Bei Werkstattbetrieben reicht vielfach der Einsatz einer in Bezug auf die Lagerverwaltung statischen Lösung. Im Zusammenspiel mit dem NC-Programmiersystem und dem Einstell- und Messgerät sind im Wesentlichen die Bezüge zwischen Bearbeitungsaufgaben und Komplettwerkzeugen, zwischen Komplettwerkzeugen und deren Komponenten zu verwalten. Im Idealfall wird zusätzlich die Auswahl und Beschaffung der Komponenten durch entsprechende Funktionen unterstützt.

CIMAachen: Und bei mehreren Produktionsstandorten?

Zoller: Grundsätzlich gelten für jedes einzelne Werk die bisherigen Aussagen. Insbesondere in dezentral geführten Organisationen ist jedoch zu berücksichtigen, dass bezüglich der einzusetzenden Software keine einheitliche Lösung entstehen wird. Hier sind Konzepte vielversprechend, die über eine logisch gemeinsame Datenbank die Möglichkeit bieten, verschiedene Tool Management Systeme für zentrale Aufgaben zu integrieren.

CIMAachen: Die Erklärung ist plausibel. Aber wie erreichen Sie mit dem Zoller Tool Manager alle drei Segmente?

Zoller: Wir werden unsere Software mit der CIMSOURCE Produktpalette weiter integrieren, um sowohl kleinere Werkstattbetriebe als auch Mehrstandortunternehmen zu erreichen.

Vielen Dank für das Gespräch!

erschienen in CIMAktuell, November 2003

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