Toolmanagement – Pflicht oder Kür?

Markus Krüger

Mancher Fertigungsleiter fragt sich, ob – und wenn ja, in welchem Umfang – Toolmanagement gewinnbringend eingeführt werden kann. Die Antwort auf diese Frage ist wie so häufig: Es kommt darauf an. Es kommt auf den Umfang und die Struktur des Werkzeugeinsatzes des Fertigungsbetriebes an.

Warum Toolmanagement?
Untersuchungen in Fertigungsbetrieben zeigen mitunter erschreckende Ergebnisse:

  • In 16% aller Fälle werden Arbeitsabläufe wegen Werkzeugmangels unterbrochen
  • 40-60% ihrer Zeit sind Vorarbeiter mit der Werkzeugbeschaffung beschäftigt
  • 20% der Arbeitszeit der Maschinenbediener entfallen auf die Werkzeugsuche
  • 30-60% der Werkzeuglager sind nicht unter Kontrolle

Dagegen zeigt die Betrachtung der Effekte von Toolmanagement-Projekten deutliche Erfolge:

  • 30% Reduktion der Werkzeugvielfalt
  • 20% Senkung des Bereitstellungsaufwandes
  • 20%Verringerung des Lager- und Umlaufbestandes
  • 15% Einsparungen beim Werkzeugverbrauch
  • 5% Steigerung der Maschinennutzung

Wieviel Toolmanagement braucht ein Unternehmen?
In der Praxis reicht Toolmanagement vom Aufräumen der Werkzeugschränke in Kleinbetrieben bis zur Unterstützung der Planungsabläufe in der Serienfertigung in Großunternehmen. In Abhängigkeit der betrieblichen Voraussetzungen können unter Umständen auch bereits bestehende Systeme wie z.B. das DNC-System, die CAD/CAM-Software oder auch Software der Maschinensteuerung für das Toolmanagement eingesetzt werden. Es kommt darauf an festzustellen, welches System das führende für die Werkzeugdaten ist bzw. sein sollte.

Wenn wenige NC-Maschinen (z.B. im Werkzeugbau) im Einsatz sind, ist wahrscheinlich das NC-Programmiersystem das führende System. In Verbindung mit kontrollierter Lagerverwaltung, beispielsweise über Automaten, reicht das in vielen Fällen aus.

Moderne flexible Fertigungssysteme verfügen meistens über die eigene DNC-Software über Toolmanagementfunktionalität. In einer solchen Umgebung bietet sich der „Kauf aus einer Hand“ an, ähnlich wie beim Einsatz von Voreinstell- und Messgeräten.

Eigenständige Software rechnet sich nach den Erfahrungen der CIMAachen ab einem Werkzeugverbrauch jenseits der € 200.000. Darunter werden die Einsparungen nur in Ausnahmefällen durch die Anschaffung und Einführung gerechtfertigt.

Eigenständige Software ist auch dann sinnvoll, wenn Planungsabläufe, etwa in der Serienfertigung, unterstützt werden sollen. Beispiel hierfür ist CS-Enterprise der CIMAachen.

Fallbeispiel AWS
Die AWS Achslagerwerk Staßfurt GmbH fertigt an mehreren Standorten Werkstücke für die Bahn- und Kfz-Industrie sowie für den allgemeinen Maschinenbau. Der heutige Bestand an Werkzeugen und Werkzeugkomponenten wurde aber nach ersten Auswertungen mit ca. 600 bis 700 T€ ermittelt, also ganz klar ein Kandidat für eigenständige Software. Der umfangreiche und sehr heterogene Maschinenpark stützt diese These. Der einzige gemeinsame Nenner in der Werkstatt sind die im Einsatz befindlichen Voreinstell- und Messgeräte.

Eine Bestandsaufnahme durch CIMAachen gemeinsam mit der Geschäftsführung zeigte für die Reorganisation der Werkzeugverwaltung ein Einsparpotenzial von ca. 100 T€ p.a. Hierzu gehörte unter anderem die Reduzierung des Abwicklungsaufwands, Einsparungen durch langfristige Senkung heutiger Bestände sowie eine deutliche Reduzierung der Werkzeugkosten durch „Aufbrauchen“ heutiger Lagerbestände.

Nach der Umgestaltung der Abläufe wurde entschieden, eine Toolmanagement-Software zur Prozessunterstützung einzusetzen. Der Fokus des Softwareeinsatzes liegt dabei zunächst auf der Unterstützung der Lagerverwaltung, der Integration der Werkzeugvoreinstellung sowie der Bereitstellung von Werkzeuginformationen für die NC-Programmierung.

Der Markt für entsprechende Software ist mittlerweile überschaubar, wie der aktuelle Marktüberblick der CIMAachen zeigt. Auf Basis eines entsprechenden Lastenhefts ist die systematische Softwareauswahl dementsprechend fokussiert durchzuführen. Hilfreich ist dabei, dass die Komplexität im Vorfeld der Implementierung systematisch reduziert wird. Denn es geht nicht darum, komplexe Probleme mit anspruchsvoller Software zu lösen, sondern einfach strukturierte Abläufe durch angemessene IT zu unterstützen.

Fazit
Toolmanagement kann in Ihrem Unternehmen wertvolle Potenziale erschließen. In welcher Form und ob dazu Software notwendig ist, hängt stets von den jeweiligen Unternehmen ab.

Gerne prüfen wir für Sie, ob und in welcher Form der Einsatz eines Toolmanagementsystems für Sie sinnvoll ist. Und helfen Ihnen bei der Softwareauswahl und Einführung.

erschienen in CIMAktuell, Juni 2004

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