Werkzeugklassifizierung für B2B: eCl@ss statt DIN 4000 - oder beides zusammen?

Dr. Matthias Müller

Welche Produktdaten werden zwischen Unternehmen ausgetauscht, die miteinander in einer Kunden-Lieferanten-Beziehung stehen? Welches sind die relevanten Datenfelder und -formate, um eine lückenlose Informationskette sicherzustellen? Und damit die Potentiale hinsichtlich Prozeßkostenoptimierung tatsächlich zugänglich machen? Die Beantwortung dieser Fragen steht vor der Implementierung jeder Internetanwendung.

Die CIM GmbH beschäftigt sich mit Produktklassifizierungen und dem Aufbau von Sachmerkmalleisten für Werkzeuge schon seit Ihrer Gründung 1987. Seit Mitte der 90er Jahre gibt es für Werkzeuge zur Metallzerspanung eine Produktklassifizierung und –beschreibungssystematik als DIN-Standard, die maßgeblich von technisch orientierten Mitarbeitern erarbeitet wurde und einen hohen, mit Augenmaß festgelegten Detaillierungsgrad zeigt.

STANDARDOpenBase seit 1995
Seit 1995 wickelt die CIM GmbH mit dem Werkzeuginformationssystem CIMSOURCE den Produktdatenaustausch zwischen Lieferant und Kunde in einem einheitlichen Datenformat ab. Dazu notwendige Erweiterungen der DIN 4000 – im wesentlichen administrative Dinge - wurden in der als STANDARD OpenBase bezeichneten Formatspezifikationen definiert. Die Erfahrungen der über 500 Anwenderunternehmen haben mittlerweile zu Verbesserung der Spezifikationen geführt.

eCl@ss seit 1998
Im Rahmen der eBusiness und eProcurement-Aktivitäten wurde Ende 1998 getrieben von Einkaufsbereichen ein umfangreicherer Ansatz zur Produktklassifizierung ins Leben gerufen. Ziel des eCl@ss-Konsortiums ist, Beschaffungsmärkte abzubilden, um dadurch Transparenz und die Bündelung von Einkaufsvolumina zu ermöglichen. In einer vierstufigen Hierarchie werden auf unterster Ebene auch Sachmerkmale definiert. Da das geamte Beschaffungsspektrum eines Unternehmens abgebildet werden soll, ist die Klassifizierung deutlich breiter angelegt. Der erste Schritt dieses B2B-Ansatzes ist auf den Bereich der klassischen C-Artikel oder auch Commodities konzentriert. Bei der Beschaffung von niederpreisigem, produktionsunkritsischen Materialien wie bspw. Büromaterial o.ä. sollen Prozeßkosten reduziert werden.

Präzisionswerkzeuge sind keine Commodities!
Werkzeuge zur Metallzerspanung sind nur aus der Perspektive der Beschaffung C-Artikel. Denn trotz der "überschaubaren" Beschaffungswerte pro Bestellung sind Werkzeuge entscheidend für die Gesamtproduktivität. Ein fehlendes oder unpassendes Werkzeug stoppt unter Umständen den gesamten Produktionsprozeß. Auch die Austauschbarkeit gegen ein anderes Produkt erfordert in der Regel eine neue Prozeßauslegung, und damit den Zugriff auf technologische Daten.

Mapping der Datenstrukturen möglich und sinnvoll
In der jetzt vorliegenden eClass-Spezifikation finden sich Werkzeuge-im Sachgebiet 21 - Werkzeug/Werkzeugmaschine (s. Bild). Der Versuch einer Zuordnung zur DIN 4000 klappt nicht so ganz, da eClass zum einen noch unvollständig, zum anderen gröber ist. Sinnvoll wäre, die gröbere Struktur von eClass zu belassen, aber bspw. die Gruppe der Fräser in eClass so zu definieren, daß sie genau die allen vier Gruppen aus der DIN 4000 gemeinsamen Merkmale umfaßt. Lieferanten, die heute schon die DIN 4000 unterstützen, können leicht Daten für B2B-Abwicklung auf der Basis von eClass bereitstellen.

CIMSOURCE Partner erfüllen Anforderungen
Die Diskussion zwischen eClass und DIN ist von Seiten der CIM GmbH – die u. a. auch den Obmann im DIN stellt – bereits aufgenommen. Ziel ist, vorhandene erprobte Standards für zukunftsorientierte B2B-Applikationen nutzbar zu machen. Die Werkzeug-hersteller, die sich schon vor Jahren mit dem Thema Produktdatenaufbereitung und -bereitstellung aktiv befaßt haben, können heute als Lieferanten den Anforderungen Kunden schnell nachkommen.

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